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I teach and practice Gestalt therapy, Career decision coaching, and Family Constellations work. As well as Australia, I teach workshops and training in China, Japan, Korea, the USA & Mexico. I am author of Understanding The Woman In Your Life, a book of advice for men about relationships with women. In my work as director of Lifeworks I provide therapy,  training and supervision. I am a Phd candidate, studying the interpersonal dynamics of power, and am currently director of an MA in Spiritual Psychology for Ryokan College, an accredited online institution based in LA.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Case #36 - Die Frau, die nichts fühlte

Brenda erzählte darüber, dass sie keine klare Identität hatte – sie verlor leicht ihre Grenzen und identifizierte sich übermäßig mit anderen.
Sie sprach von ihrer Schüchternheit, und davon, dass sie nicht fotografiert oder auf den Prüfstand gestellt werden mag.
Diese Dinge waren Indikatoren dafür, dass wir vorsichtig und sensitiv vorgehen sollen, sowie die potentiell gefährliche Situationen, die mit der Schande zu tun haben, vor Augen halten.
Ich teilte ihr mit, dass ich sie nur in solchem Maße ausfragen und ihr mit Therapieübungen helfen werde, bis ich ihre Komfortzone nicht verletzte.
Ich weiste auf die Tatsache hin, dass wir vor einer Gruppe von Menschen waren und fragte Brenda, wie sie das fand. Sie sagte, dass sie sie ansahen, aber sie spürte so, dass sie nicht wirklich wahrgenommen wurde. Ich erkundigte mich bei ihr, ob das vielleicht wegen ihres mangelnden Wissen über sie war, oder weil sie sich versteckte. Sie antwortete beide.
Es hilfte mir, die Beziehungsdynamik zu gestalten. Ich führte diese Dynamik zu uns (ihr und mir) zurück – ich sah sie an, aber sie versteckte sich auch vor mir. Sie bestätigte das, sie machte das mit jedermann.
Das schafft eine Sackgasse bei dem Kontakt mit den Menschen. Ein Teil von ihr sehnt sich danach, dass die Leute sie wahrnehmen, aber ein anderer Teil von ihr erlaubt das nicht. Es war eine Warnung dafür, dass ich sehr vorsichtig verfahren sollte, ansonsten wäre ich auch frustriert geworden und in dieser Dynamik gefangen.
Also anstatt auf den Busch zu klopfen, sagte ich Brenda jene Dinge, die sie schon über sich offenbarte – also jene winzigen persönlichen Informationen, die sie mir mitteilte. Ich berichtete auch davon, was ich sah – zum Beispiel die Farbe der Kleidungen, die sie trug.
Es schuf eine Basis daraus, was zwischen uns war, ohne dass ich an sie weitere Fragen stellte. Es zeigte ihr, dass ich präsent war damit, was sie freigab und was sie für mich erreichbar machte.
In Fällen von Schande ist es wichtig, etwas über sich selbst mitzuteilen, anstatt von der anderen Person zu viel zu fragen.
Ihre Augen waren dennoch glasig, und sie sagte, dass sie immer mehr abtreibte. Das zeigte, dass der Kontakt zu viel war. Ich fragte sie, wohin sie abgetrieben wurde…sie erwiderte: in einen Ort von unzähligen Welten, vergangenen Leben.
Es war für mich ein Indikator für Dissoziation und dafür, dass die mit der Sicherheit verbundenen Probleme primär waren.
Ich schlug vor, dass sie sich tatsächlich in einen träumerischen Zustand einlassen sollte, wie ich mich selbst auch. Ich konnte sogar jede Person in der Gruppe anregen, das mitzumachen, also sich in einen verträumten Zustand einzulassen, und wir alle könnten einfach in unseren eigenen verträumten Plätzen zusammensitzen.
Dieser Vorschlag gab ihr Schwung und ermutigte weitere Schritte in diese Richtung.
In Gestalt nennen wir das die paradoxe Theorie des Wandels: akzeptieren, was gegeben ist und sich danach zu richten.
Brenda behauptete sie fühle sich nichts.
Mit anderen Worten, sie war völlig dissoziiert. An diesem Ort ist nur ein bestimmter Typ des Kontakts erreichbar.
Ich fragte sie, welche Art von Unterstützung sie brauchte, damit sie sich sicher fühlen würde. Sie erwiderte: „Ich will nicht gesehen werden."
Ich sagte ihr also, dass ich mein Blick von ihr abwenden werde, und gleichzeitig teilte ihr meine Traurigkeit mit. Da ich sie überhaupt nicht ansehen, und auch nicht versuchen, ein Blick auf sie zu werfen werde, wird ihre Camouflage ziemlich vollständig. Ich erklärte ihr, dass ich Wärme gegenüber ihr fühlte, aber trotzdem fand ich keinen Weg zu ihr.
Brenda sah mich an und sagte: „Ich nehme Unterstützung nich gerne an."
Es war die Offenbarung, die mir zeigte, wie ich weiter verfahren sollte.
Ich rückte mit einer Übung heraus: sie hebt beide Hände hoch, mit der einen Hand wegstoßend, mit der anderen Hand geöffnet für die Entgegennahme von Untersützung.
Wir machten die Übung und sie war imstande, meine Unterstützung anzunehmen. Sehr langsam reichte ich meine Hand aus, bis ich ihre geöffnete Hand erreichte und dann greifte ich sie an.
Sie berichtete dann über einen Zwang, der ihr verbot, überhaupt etwas zu fühlen. Ich bat jemanden aus der Gruppe, vor uns zu stehen und diesen Zwang zu repräsentieren. Brenda konnte/wollte nicht erkennen die Person, die diese Rolle spielte, das war aber ganz in Ordnung.
Ich forderte sie auf, dem Zwang eine Behauptung aufzustellen. Sie sagte: „Ich werde dir zuhören, wenn es für mich nützlich ist, ansonsten werde ich mir erlauben, die Unterstützung zu spüren."
Es war eine Behauptung der Differenzierung und der Integration.
Sie konnte sich die Gefühle erlauben, die Unterstüzung akzeptieren, in die Beziehung zu kommen und an diesem Ort angesehen werden, sowie das Gefühl haben, dass sie immer die Wahl hat.
Diese Arbeit war langsam, außerdem musste ich ständig ihre Grenzen vor Augen halten, nicht zu viele Details erforschen, was sogar ihre Gefühle betraf…diese Dinge aber jedoch im Kopf halten. Im allgemeinen reagieren die Leute auf jemand, der solche persönlichen Grenzen aufstellt, entweder so, dass sie sich zurückziehen oder sie sich soz. entfernt, also nur oberflächlich kennenlernen, oder überströmen die Person mit zu viel Interesse oder sogar Liebenswürdigkeit. Was man hier braucht aber, ist eine neutrale Präsenz, mit genug Wärme, aber nicht zu viel, genug Interesse, aber nicht zu viel – das ist, was man Einstimmung nennt, und das ist ein zentraler relationaler Kompetenz.
























Sonntag, 4. Oktober 2015

Case #35 - Wut auf den Ex

Marion warf das Problem der Vereinbarung mit ihrem Exmann über die geteilte Elternschaft auf. Es stellte sich heraus, das es nicht das wesentliche Problem war. Die markante Schwierigkeit bedeutete ihr Unbehagen und ihre unbeendete Angelegenheiten mit ihm.
Bevor wir Marions Problem unter die Lupe genommen hätten, sagte ich ihr: Wenn ich dich ansehe, habe ich das Gefühl, dass deine Augen mich durchbohren. Das hat eine sehr starke Auswirkung auf mich. Was ich deinem Exmann gemeinsam habe, ist, dass ich auch ein Mann bin, und ich glaube so, dass ein Teil dieser enormen Energie, die du ihm gegenüber fühlst, könnte auch hier, in meiner Anwesenheit erscheinen.
Ich fragte sie, was ihr Problem war, worauf sie erwiderte: Wut.
Ich bat sie, mir zu erklären, worauf bzw. auf wen sie wütend war. Sie fing an, eine sehr lange Geschichte über die Umstände zu erzählen…nach einiger Zeit fragte ich sie noch mal: 'OK, also was ist ganz genau dein Problem?' Sie setzte jedoch mit weiteren Details ihrer unendlichen Story fort.
Ich musste meine Frage an sie mehrmals stellen, bis sie imstande war, eine klare, direkte und prägnante Antwort zu geben. Sie war wütend, denn sie fühlte sich von ihrem Exmann verraten, weil er sie finanziell nicht mehr unterstützte, um mehr Geld in sein Unternehmen investieren zu können. Andererseits war sie zornig auch, weil er über diese Sache nicht nur ihr sondern auch ihren Eltern (mit denen sie zusammenlebten) lügte.
Ich bestätigte, dass sie sehr wütend aussah: Ich kann das in deinen Augen sehen. Was spürst du jetzt?
Sie sagte etwas, was mehr mit ihren Bewertungen, ihrem Urteil und ihren Meinungen, aber weniger mit ihren Gefühlen zu tun hatte.
Sie sagte das eigentlich aus: 'Ich halte meine Emotionen zurück.'
Ich regte sie also an, sich vorzustellen, dass ich ihr Exmann bin. Ich bat sie, mich soz. verbal anzufallen. Sie begann zu erklären, dass sie in der Situation auch getadelt werden kann.
Ich führte ihren Fokus zurück und bat sie, mir etwas unmittelbar zu sagen, mit den Worten: 'Ich bin wütend, weil..'
Schließlich begann sie, sich direkt auszudrücken und festzulegen, worauf sie wütend war.
Ich erkannte ihre Gefühle und erkannte ebenfalls, wie ich ihre Wut sehen und hören konnte…und dann konnte ich beobachten, wie die Natur ihrer Wut sich veränderte und ihre Wut fand in Tränen einen Ausweg. Ich konnte ihren Schmerz in diesen Tränen sehen.
Im weiteren förderte ich diesen direkten Ausdruck der Gefühle, während ihr emotionaler Zustand ständig zwischen Wut und Tränen wechselte. Als sie erfuhr, dass jemand ihr zuhört, sie fühlte sich sicherer beim Ausdrücken ihrer Gefühle. Es gab eine Menge stillen Momente auch, voll ihrer Gefühle und meinen simplen Anerkenntnissen.
Am Ende fühlte sie sich viel leichter, und konnte sich von dem Großteil ihres Schmerzens und ihrer Wut befreien, welche sie seit ihrer Scheidung in sich gebracht hatte.
Damit dieser Prozess erfolgreich wurde, musste ich standhaft sein, ihr Bewusstsein führen, sie in ihrem Erlebnis so einbringen, dass ich in dem Experiment auch teilnehme. Außerdem musste ich Marion bei ihrem Geschichtenerzählen anhalten, was für sie ein Mittel für die Vermeidung zu tiefer Gefühle war. Ich sicherte für ihre Wut soz. einen relationalen Behälter, sowie unterstützte und ermutigte sie, sich auszudrücken…es brauchte einige Zeit, bevor sie sich sicher genug fühlte, so zu handeln. Ich akzeptierte ihre Vermeidung auch nicht; stattdessen regte ich sie an, ihr Erlebnis wirklich zu bestizen.
Als Antwort gab ich ihr Bestätigung, wonach sie sich so lange sehnte – an diesem Ort gesehen und gehört werden. Ich war nicht ihr Exmann, aber die Energie war zwischen uns stark genug, dass sie mich als Repräsentant so betrachten und sich mir gegenüber so äußern konnte, als ich ihr Mann gewesen wäre. Damit ich am Anfang betonte, dass ich auch ein Mann war, war genug, die Kraft ihrer Gefühle anzuregen. Meine Empfänglichkeit war echt genug für sie, damit sie es wirklich glauben konnte, dass ich das alles nicht nur schauspielerte.
Was bemerkenswert ist, dass sie nicht schrie, keine Kissen schlug oder sogar ihre Stimme erhob. Zorn bewegt sich in Beziehung und durch Besitz, nicht unbedingt durch dramatische Therapie-Techniken.








Samstag, 19. September 2015

Case #34 - Kontakt und Authentizität

Nathan hatte einen robusten Körperbau, er war nachdenklich, und hatte eine klare und starke Präsenz.
Sein Problem war die Authentizität. Er fühlte so, dass er vor anderen Menschen nicht echt sein konnte.
Er argumentierte oder kämpfte fast nie. Er war kooperativ sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause.
Was seine Familiengeschichte anbelangt, es gab Auseinandersetzungen und Gewalt zwischen seinem älteren Bruder und seiner Schwester. Inzwischen war Nathan 'der gute Junge' in der Familie. Es gab zwei Anlässe, die ihn als Kind geprägt hatten. Der eine war, als er auf seinen älteren Bruder sehr wütend war, und er warf einen Gegenstand auf ihn, der seine Augen fast ausstach. Der andere Fall passierte, als er einen Junge in der Schule anschlug, der ihn anschließend zu Hause aufsuchte und sein Gesicht krallte.
Seitdem verhielt er sich zurückhaltend und prügelte sich nie.
Er überraschte mich sehr, als er bekannte, dass er nicht selbstsicher war. Ich war verblüfft, weil er offensichtlich ein sehr starker Mann war, der sich in seinem eigenen Körper wohl fühlte.
Er verriet mir, dass er scharfe Urteile über anderen hatte, die er meistens für sich behielt.
Ich probierte also einen authentischen Prozess aus, was ich zuerst mit ihm machte.
Es gab drei Komponenten: was er dachte, was er fühlte, und was er von dem anderen wollte.
Ich machte das mit ihm und er auch mit mir. Er schaffte es ganz einfach.
Ich definierte das, als eine authentische Begegnung. Wenn wir das fortsetzen würden, würde es zu einem authentischen Dialog und dann letztendlich zu einer authentischen Beziehung führen.
Danach bat ich Nathan, den Prozess mit drei weiteren Menschen in der Gruppe wiederholen. Bei der ersten Person lief alles wie geschmiert. Die zweite Person, eine Frau gab ihm eine umfassende, ziemlich komplexe Antwort. Er ging verloren, und ich ermutigte ihn, darauf mit einer Erklärung über seine Gefühle zu reagieren. Ich hatte einen Formel für ihn, der insbesondere für die Kommunikation mit Frauen geeignet war: nach der anfänglichen authentischen Begegnungserklärung musste er nach jeder einzelnen rationalen Aussage drei Sätze über seine Gefühle sagen.
Er dann übte das mit einer weiteren Person.
Ich wollte wissen, wie er das Experiment fand: „Einfach" – erwiderte Nathan.
Es zeigte mir ganz klar, was er brauchte, und zwar, dass jemand ihm Richtung, sowie einige Leitlinien gibt und ihn darin unterstützt, dass er diese ausprobieren und üben kann.
Als ein Mann wollte er klare Instruktionen. Als jemand mit viel latenter Kraft wollte er nur die Art und Weise wissen, wie er das in einer sicherer Form anfassen kann.
Er war sich sicher darin, dass er die Ausübung des Prozesses weitermachen kann.
Natürlich hätten wir mit der Situation seiner Herkunftsfamilie oder mit seiner Konfliktvermeidung arbeiten können. Dies war aber ein Eingriff, der gegenwärtig und zukunftsorientiert war, und ermöglichte ihm, das sofortige Erlebnis des Erfolgs zu erleben. Es war wichtig, dank seiner abnehmenden Selbstsicherheit. Es gewährleistete ihm ein Mittel zum experimentellen Lernen, und er konnte für sich im späteren den Prozess des authentischen Kontakts entdecken.
Der Kontakt ist einer der Schlüsselbereiche der Gestalttheorie und –praxis. Das war eben das Zentralthema dieser Therapiesitzung.





Montag, 14. September 2015

Case #33 - Eine vollständige und authentische Offenlegung

Das Problem von James war, dass er die ganze Woche sehr hart arbeitete, in andere Städte flog und danach kam er am Freitag nach Hause. Während er weg war, konnte er kaum erwarten, wieder heimzukehren. Es war sehr wichtig für ihn, dass seine Frau und sein Kind zu Hause waren. Er wusste und mochte, dass wenn er endlich nach Hause kam, erwartete ihn immer ein häusliches Gefühl, die Wärme des Zuhause.
Seine Frau war allerdings ein Top-Manager und sie war in den meisten Fällen nicht zu Hause. Als James das Thema ins Gespräch brachte, sie hebte hervor, dass ihre Karriere ebenso wichtig war, und seine Gefühle seine Probleme waren.
Er war mit seiner Frau seit vielen Jahren zusammen und beide interessierten sich nach dem persönlichen Wachstum und der Astrologie. Er hatte das Sternzeichen Krebs, welches in der Astrologie als sehr emotional beschrieben ist.
Ihre Beziehung war tief und liebevoll, aber sie hatten auch Auseinandersetzungen, die er verringern und die Beziehung entwickeln wollte.
Ich wählte diesen Moment fürs Eingreifen.
Ich bat etwas von ihm, das für seine Frau gleichermaßen wichtig war, das sie von ihm gerne hätte bekommen wollen. James erzählte mir, dass wenn seine Frau am Arbeitsplatz eine Präsentation hielt, und darvon ihm erzählte, sie wollte immer seine Anerkennung und Wertschätzung.
Ich bat ihn um ein zweites Ding. Wenn sie ein Buch (in der Regel im Thema der persönlichen Entwicklung) las, wollte seine Frau, dass er es auch liest und dann sich mit ihr darüber unterhält.
Ich fragte James, ob er irgendwelche dieser Sachen machte. Er antwortete: zu einem gewissen Grad…aber nicht zu ihrer Zufriedenheit.
Ich empfahl ihm, dass er in erster Linie diese zwei Bitten von ihr ernst nimmt und beide aus vollem Herzen erfüllt.
Nachdem er eine Zeitlang so getan hatte, schlug ich ihm vor, dass er ihrer Frau eine vollständige, komplexe und authentische Erklärung gibt, wie bedeutsam es für ihn ist, sie am Freitag Abend zu Hause zu finden.
Ich demonstrierte, was ich darunter verstand, mit einem Beispiel aus meinem eigenen Leben:
In meiner Jugend nahmen Geburtstage immer einen besonderen Platz in unserer Familie ein. Während in der Familie meiner Frau wurden Geburtstage kaum gefeiert; es gab auch Zeiten, in denen der Geburtstag ihrer Schwester gefeiert wurde, ihr Geburtstag jedoch nicht.
Infolgedessen begeisterte sie sich für Geburtstage nicht so sehr; sie feierte sie nur privat und ganz simpel.
Ich erwartete meinen Geburtstag, etwas besonderes zu sein. Ich rechnete mit einem großen Anzahl von Markierungen, die wirklich zeigen, dass es 'mein großer Tag' ist. Es gab Gelegenheiten, wenn sie diese Dinge nicht so tat, wie ich wollte, und ich fühlte mich deswegen verletzt; das war etwas, was für sie schwer zu verstehen war.
In diesem Fall sah mein vollständige, komplexe und authentische Aussage also ungefähr folgendermaßen aus:
Ich weiß, dass Geburtstage für dich peinlich sind und dass du während deiner Kindheit sehr schlechte Erfahrungen über sie gesammelt hast. Ich weiß aber auch, dass du dich sehr bemüht hast, meine Geburtstage schöne Anlässe zu machen. Ich bin sehr dankbar dafür. Ich habe ebenfalls erfahren, dass es Zeiten gab, wenn du es aus irgendwelchen Gründen nicht statthaft gefühlt hast, extra Anstrengungen zu machen oder mehr zu machen, als was nötig ist. Ich verstehe, dass es viel damit zu tun hat, wieweit du dich wirklich imstande fühlst, zu geben. Ich weiß auch, dass es für dich an deinem Geburtstag hinreichend ist.
Ich unterscheide mich jedoch von dir. Für mich sind Geburtstage ebenfalls peinlich, aber in einer anderen Weise. Geburtstage waren und sind traditionell sehr spezielle Feiertage. Ich habe soz. eine unausgesprochene Erwartung und Hoffnung, dass ich 'das Erste' an diesem Tag wird. Und auch wenn du in nicht so guter Laune bist, du würdest das alles beiseite legen, nur für diesen Tag, damit ich so fühlen könnte, dass ich eine Art besondere Behandlung erhalte. Das würde für mich sehr viel bedeuten, umso mehr, weil ich weiß, dass es für dich nicht immer so einfach ist. Ich bin besorgt, dass ich es dir sage, weil es für mich wichtig, für dich aber ein schwieriges Thema ist. Ich schätze sehr, dass du dich überlegst, worum ich dich gebeten habe. Wenn du willst, du kannst dich darüber nachdenken und ein anderes Mal mit mir darüber sprechen.
--
Damit ich James dieses persönliche Beispiel aus meinem eigenen Leben zeigte, konnte er verstehen, wie er eine komplexe und authentische Aussage konstruieren, und das für sein eigenes Problem verwenden konnte.
In Gestalt geht es darum, wie man ein Beziehung vertiefen und authentischer machen, sowie den Kontakt und die Intimität fördern kann. Das war eine Beispielmethode, die wir in solchen Fällen einsetzen, wenn unser Klient mehr als die Grundlagen der Kommunikation weiß.







Dienstag, 8. September 2015

Case #32 - Authentische Ressourcen

Diane hatte zwei Probleme. Das erste Problem war, dass ihr größerer Sohn (12) nicht so fleißig lernte, wie Diane das gewünscht hätte.
Ich fragte sie, wie sie seine Schularbeit in einer Skala einschätzen würde, und sie antwortete 6 oder 7. Machte er seine Hausaufgabe? Ja. Aber ehrlich gesagt, wenn ein Schüler eine Top-Schule besuchen will, muss er Top-Noten haben, also der Druck war sehr groß.
Zuerst erzählte ich über meine Erlebnisse – mein Glauben in elternzentrierter Erziehung, meine Überzeugung von der Wichtigkeit des ausgewogenen Lebens für ein Kind, sowie meine Gedanken darüber, dass die akademische Leistung nicht immer das oberste Ziel ist.
Es war wichtig, meine Position auszudrücken und alle Grenzen von Differenz zu ergründen. Außerdem wollte ich wissen, wo und wie meine Bereitschaft (und auch ihre Einschränkungen), ihr zu helfen, ihren Bedarf und Lage treffen kann.
Sie ringte, weil sie zuvor zahlreiche Bücher über die Erziehung gelesen hatte, und versucht hatte, ihrem Sohn etwas Raum zu schaffen. Trotzdem machte sie sich Sorgen über seine Zukunft und wusste nicht, wie sie ihn effektvoll motivieren könnte.
Mein Vorschlag war also folgendes: sie setzt sich mit ihm und sagt ihm klar, was für sie in seinem Aufwachsen wichtig ist.
Danach sollte sie die zukünftigen Möglichkeiten ihres Sohns skizzieren: die Gesellschaft und das Schulsystem, die sehr kompetitiv waren und bestimmte Noten erforderten, um dann in bestimmte Instituten aufgenommen werden zu können. Sie sollte die unterschiedlichen Einrichtungen vergleichen, sowie ihre Voraussetzungen, und die Vorteile und Nachteile des Besuchs dieser Institutionen.
Sie soll dann ihn in seiner Entscheidung unterstützen: was seine Ziele sind, was er im späteren erreichen will und was er tun soll, um diese Pläne zu verwirklichen.
In dieser Weise kann sie völlig authentisch sein, gleichzeitig ihn darin zu fördern, dass er seine eigenen Motivationen findet. Ihre Bereitschaft und Wunsch nach der Unterstützung von ihm kann so gerichtet werden, dass es seine Entscheidungen untermauert und nicht für ihn wählt.
Ihr zweites Problem stand im Verhältnis zu ihrem Mann: er kommt nach Hause, trinkt ein Bier, liest seine Zeitungen, schreibt seinen Blog und ignoriert Diane und die Kinder völlig.
Offensichtlich war Diane unzufrieden mit der Situation, aber sie konnte keinen Weg finden, dieses Problem zu umgehen.
Im Übrigen nahm sein Mann an dem Familienleben teil, organisierte Familienausflüge, nahm Zeit für seine Familie und kochte häufig für sie.
Er war niemals der gesprächige Typ und hatte immer Probleme mit der Kommunikation, es gab also nichts Neues in dieser Situation.
Es war mir ganz klar, dass es nicht effektvoll wäre, wenn wir etwas von ihm fordern, ihn sekkieren oder sogar ihn darum bitten würden, authentisch zu kommunizieren.
Ich fragte nach seinem Blog. Diane sagte, er war sehr transparent, witzig und bindete Photos ein, die auf dem unteren Teil interessante Kommentare hatten. Sie wünschte sich, dass ihr Mann auch mit ihr so sprechen würde.
Die Richtung war klar für mich. Sie könnte ihn nicht verändern aber sie könnte sich an ihm anschließen. Ich fragte, ob er ein iPad hatte. Sie sagte, das sie es früher versteckt hatte.
Ich forderte sie auf, es ihm sofort zurückzugeben und für sich auch ein iPad zu kaufen. Sie könnte dann mit ihm in Schrift kommunizieren. Sie könnte zu seinem Blog Kommentare hinzufügen (er schrieb jenen Menschen immer zurück), ihm kleine Messages, E-mails und kleine Einzeilers schicken. Während er seine Zeitung liest, könnte sie ihm kleine Kommentare schicken. Sie könnte Briefe schreiben, sie ausdrucken und per Mail an ihn versenden oder unter sein Kissen legen.
In dieser Weise versuchte ich mit den vorliegenden Sachen etwas beginnen. Ich wollte nicht an ihrer intrapsychischen Dynamik arbeiten und verweigerte, ihren Begriff zu verstärken, nämlich dass etwas mit ihr nicht in Ordnung ist, weil ihr Mann sie nicht beachtet. Stattdessen suchte ich nach den Ressourcen und kreativen Lösungen, wie sie mit ihm den Kontakt so aufnehmen könnte, dass es von den gewöhnten Kommunikationsformen abweicht.   




















Mittwoch, 2. September 2015

Case #31 - Sex gegen Intimität tauschen

Louise sagte, dass sie mehr Leidenschaft in ihrer Beziehung wollte.
Ihr Mann hatte eine Affäre vor 5 Jahren. Es dauerte ca. ein Jahr. Er bekannte sich, kniete nieder, bat um Vergebung, und beendete die Affäre.
Seitdem verbesserten sich die Dinge langsam, es gibt jedoch einige unerledigten Probleme für Louise.
Als er ihr zum ersten Mal über seine Affäre erzählte, sie reagierte ziemlich rational und fragte ihren Mann, ob er die Ehe verlassen will oder nicht. Ihr unmittelbarer Umgang mit dem Problem war, dass sie die Situation einschätzte und herausfindete, wo sie und er in dieser Lage standen. Es war eine gute anfängliche Überlebensstrategie.
Jedoch fühlte sie später Traurigkeit.
Seit kurzem fühlte sie auch ihren Zorn.
Es war aber nicht etwas, was sie kundgab. Ihr Mann weiste darauf hin, dass wenn sie wirklich wütend wäre, wäre er bereit, sie (aus seinem Schuld) zu verlassen. Sie hatte also Angst davor, dass er das macht, wenn sie ihre Emotionen ausdrückt.
Es verzehrt sie völlig. Obwohl es viel Gutes in ihrer Beziehung gibt, konnte sie sich ihm trotzdem nicht ganz eröffnen, inbegriffen auch die sexuelle Seite – sie hält sich ein bisschen zurück. Ich fragte sie, wie oft sie Sex hatten – ungefähr viermal pro Monat.
Ich fragte auch, wie viel sie sich unterhielten – ca. eine halbe Stunde täglich im Durchschnitt.
Ich bat Louise, das Intelligenzniveau ihres Mannes zu bewerten. Sie sagte drei. Es war für mich ganz klar, dass sie die erwartete, für sie entsprechende Zuwendung von ihrem Mann unter diesen Bedingungen nicht bekommen wird. Die Arbeit mit ihr über das Ausdrücken ihrer Gefühle hätte nicht zur Lösung geführt; es konnte einen Teil ihres Zorns herausholen, aber nicht ihre Intimität erhöhen, weil nichts anderes von ihm kommen hätte. Und ohne mit ihm darüber zu sprechen, was mit ihr passiert, würde ihre Beziehung auf einer etwas oberflächlicheren Ebene bleiben.
Gestalt arbeitet nicht auf die 'Verzeihung' hin, obwohl das die 'was ist'-Situation hervorhebt.
In diesem Fall aber, gab es eine Reihe von Alternativen, über die sie nicht wusste.
Louise war eine Lehrerin, und erzählte mir, dass sie ihren Unterrichtsstil in den vergangenen Jahren verändert hatte, um die 'sollten und sollten nicht" wegzulassen. Sie bemerkte eine allmähliche und sehr bedeutende Veränderung in ihrem Unterrichtsraum. Sie war gleichzeitig 'auf der Suche nach sich selbst'.
Ich wusste also, dass sie selbst auch ihre Quellen hatte und dass sie über ihr eigenes persönliches Wachstum gearbeitet hatte.
Es übte jedoch fast keinen Einfluss auf ihre Beziehung.  
Mein Schwerpunkt lag auf der Arbeit mit dem Problem der Paarbeziehung, anstatt mich nur intrapsychisch mit Louise oder interpersonal mit mir zu befassen.
Ich gab ihr also eine kleine Hausaufgabe.
Ich schlug vor, dass sie ihrem Mann sagt, dass sie mehr Sex mit ihm und mehr Nähe will. Und damit, dass diese auch Louise machen kann, braucht sie mehr Intimität auch.
Um all dies zu erreichen, sie sollen etwa eine halbe Stunde pro Tag mit einander verbringen und die Intimität in ihrer Beziehung entwickeln. Ich empfahl eine Reihe von Optionen: das authentische Sprechen miteinander über kleine Sachen üben; gemeinsam ein Buch lesen und darüber diskutieren; einige Übungen gemeinsam ausprobieren, wie z. B. zuhören oder Gefühlsausdruck; Raum schaffen, um den Groll des anderen zu hören; oder einfach Dinge in jener Zeit gemeinsam machen, das das Gefühl der Verbindung und Nähe zwischen ihnen erhöht.
Ich war mit ihr einverstanden, dass es völlig ungerecht war. Louise spielte in bestimmter Weise die Lehrerin, die diesen Vorgang organisierte, und ihren Mann in Schwung brachte, um ihre Wut ihm sicher ausdrücken zu können. Es war nicht fair, dass sie in diesem Sinne doppelte Arbeit machte.
Es gäbe jedoch auf vielfältige Weise andere Vorteile und diese würden ebenso helfen, ihr eigentliches Ziel, nämlich mehr Leidenschaft in ihre Beziehung hineinbringen, zu erreichen.
Als Ergebnis wären sie näher dazu, auf derselben Seite zu sein, anstatt eine Entdeckungsreise nach der persönlichen Bewusstheit zu machen, die nur sie betrifft.
Diese Annäherung verwandte die Methode, die wir 'Arbeit auf der Paarbeziehung mit einer Person' benennen. Das heißt, dass wir die Beziehung während der Arbeit mit dem Klienten an der Spitze halten. Anstatt nur auf das Paar zu fokussieren, untersuchen wir aber auch, wie wir die Beziehung verstärken können. Zahlreiche Emotionen, Identitäten und Geschichten sind Produkte der Paarbeziehung. Also eine Weise in Richtung Veränderung ist, einen bedeutenden Wechsel in der Beziehung auszulösen, und sich nicht ausschließlich auf die individuellen Erfahrungen zu konzentrieren. Diese Annäherung legt den Schwerpunkt darauf, dass wir statt der Teilen eher mit dem Ganzen arbeiten.  
Es klingt sehr soldatisch, Sex gegen verändertes Verhalten zu tauschen – aber Menschen tun das eigentlich ganz unbewusst. Das zu beherrschen, was der andere hat, das in der Beziehung zum Vorschen bringen, dann der anderen Person die Wahl geben. In dieser Weise ist eine solche Anregung nicht manipulativ, sondern eher aufrichtig. Und solch ein Austausch in diesem Kontext führt dazu, dass die Beziehung des Paares verbessert wird.













Montag, 10. August 2015

Case #30 - Ein guter Grund, sich nicht sexuell zu fühlen

Bridgit berichtete über ein gefrorenes Gefühl in ihrem unteren Rückenbereich und im Genitalbereich. Sie war seit 5 Jahren geschieden, und schaffte nicht, eine neue Beziehung zu finden.
Sie sagte, dass sie von ihrem Mann verletzt wurde. Sie reagierte auf seine sexuelle Annäherung oftmals nicht, obschon er sich in vielfacher Weise bemühte. Übrigens hatte die Beziehung viele gute Aspekte.
Ich fragte nach, wie genau ihr Mann sie verletzt hatte, sie fand es jedoch schwer zu bestimmen. Sie sagte, dass sie sich ihm nah fühlte, es war also die Stelle, wo sie die Verletzung erfuhr.
Es schien aber so, dass er nichts besonders schädliches gemacht hatte. Der Hund lag also anderswo begraben.
Sie verriet mir, dass sie nicht wirklich viel Gefühl in ihrem Körper hatte. Ich brachte mich ins Thema ein, und erzählte ihr über meine Erlebnisse der Distanzierung und darüber, wie schwierig ich fand, völlig in meinem Körper zu sein.
Sie ahnte so, dass ihr Problem aus ihrer Kindheit stammte. Sie erlebte mit, dass ihr Bruder von ihren Eltern im Alter von 8-16 Jahren sehr schwer verprügelt wurde. Danach war er von Menschenhändlern entführt, und 5 Jahre mussten vergehen, nachdem er endlich einen Brief schreiben und gerettet werden konnte. Allerdings, danach streifte er die Straßen mit anderen Bettlern durch, stahl, war mehrmals im Gefängnis und stahl sogar von ihr, als sie ihm helfen wollte. Vor 15 Jahren starb ihr Vater und sie sagte, dass ihrem Bruder seitdem alles gut ging. Er war froh und führte ein gutes Leben.
Gleichwohl fühlt sie viel Schmerz und fühlt sich schuldig dafür, dass sie nichts gegen das Verprügeln tun konnte.
Ich wies auf die Tatsache hin, dass sie während dieser harten Zeit keinerlei Unterstützung hatte – sie konnte mit niemandem sprechen, hatte niemand, der sie hätte trösten können.
Ich schlug vor, da der Schmerz für sie immer noch sehr lebendig war, dass ich mich neben ihr setze und meinen Arm um sie lege, wodurch sie die nie erfahrene Unterstützung fühlen kann. Ich wollte, dass sie das Gefühl erhält, als ob ich während dieser schweren Zeit auch da gewesen wäre.
Als ich das tat, sie begann mit einem sehr tiefen Schmerz schluchzen und nach Luft zu schnappen. Ich hielt sie fest, und atmete, blieb präsent, und hörte dem furchtbaren Schmerz in ihrem Weinen zu.
Nach einiger Zeit, das Weinen ließ nach, und sie wurde still und leise. Ich sagte anerkennende Worte.
Dann, Bridgit setzte sich auf und sah mich an. Sie sagte: „Ich möchte jetzt dir etwas geben." Ich konnte die Änderung in ihr und meine Energie spüren. Ich sagte, ich kann das fühlen, und fühle die Wärme. Sie berichtete, dass sie sich auch wärmer fühlte, im ganzen Körper.
Ich fragte sie, was sie mir geben wollte, aber sie suchte die Worte für einige Zeit. Dann sie sagte: „Ich möchte deine Augen mit meinen Augen küssen." Ich spürte ihre Offenheit und den Energiefluss zwischen uns. Ich äußerte: Du bist jetzt schon in deinem Körper und für eine Beziehung bereit. Sie nickte.
Ich wählte weder die erste Figur (das gefrorene Gefühl), die sie erwähnte, noch die zweite Angelegenheit (Gefühlsmangel allgemein im Körper). Ich antwortete auf diese Dinge nur dialogisch und wartete, bis etwas anderes auftauchte, und zwar die unvollendeten Angelegenheiten aus ihrem Familienleben.
Ich erlebte mit, wie so ein Trauma tiefe Spuren auf ihr hinterließ, und wie sie sich an dem Schmerz und dem Schuldgefühl festhielt, obwohl ihr Bruder sein Leben schließlich zurecht gemacht hatte.
Sie war nicht imstande, sich vorwärts zu bewegen, bis sie nicht wirklich in ihrem Schmerzzustand gesehen und da völlig unterstützt wurde.
Das Ermöglichen dieser Erfahrung löste ein hochgradig heilendes Erlebnis aus, das ihr erlaubte, sich von dem Schmerz und dem Schuldgefühl spontan zu befreien, in ihren Körper zu kommen, und für die sexuellen Gefühle erreichbar zu sein.  










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