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I teach and practice Gestalt therapy, Career decision coaching, and Family Constellations work. As well as Australia, I teach workshops and training in China, Japan, Korea, the USA & Mexico. I am author of Understanding The Woman In Your Life, a book of advice for men about relationships with women. In my work as director of Lifeworks I provide therapy,  training and supervision. I am a Phd candidate, studying the interpersonal dynamics of power, and am currently director of an MA in Spiritual Psychology for Ryokan College, an accredited online institution based in LA.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Case #36 - Die Frau, die nichts fühlte

Brenda erzählte darüber, dass sie keine klare Identität hatte – sie verlor leicht ihre Grenzen und identifizierte sich übermäßig mit anderen.
Sie sprach von ihrer Schüchternheit, und davon, dass sie nicht fotografiert oder auf den Prüfstand gestellt werden mag.
Diese Dinge waren Indikatoren dafür, dass wir vorsichtig und sensitiv vorgehen sollen, sowie die potentiell gefährliche Situationen, die mit der Schande zu tun haben, vor Augen halten.
Ich teilte ihr mit, dass ich sie nur in solchem Maße ausfragen und ihr mit Therapieübungen helfen werde, bis ich ihre Komfortzone nicht verletzte.
Ich weiste auf die Tatsache hin, dass wir vor einer Gruppe von Menschen waren und fragte Brenda, wie sie das fand. Sie sagte, dass sie sie ansahen, aber sie spürte so, dass sie nicht wirklich wahrgenommen wurde. Ich erkundigte mich bei ihr, ob das vielleicht wegen ihres mangelnden Wissen über sie war, oder weil sie sich versteckte. Sie antwortete beide.
Es hilfte mir, die Beziehungsdynamik zu gestalten. Ich führte diese Dynamik zu uns (ihr und mir) zurück – ich sah sie an, aber sie versteckte sich auch vor mir. Sie bestätigte das, sie machte das mit jedermann.
Das schafft eine Sackgasse bei dem Kontakt mit den Menschen. Ein Teil von ihr sehnt sich danach, dass die Leute sie wahrnehmen, aber ein anderer Teil von ihr erlaubt das nicht. Es war eine Warnung dafür, dass ich sehr vorsichtig verfahren sollte, ansonsten wäre ich auch frustriert geworden und in dieser Dynamik gefangen.
Also anstatt auf den Busch zu klopfen, sagte ich Brenda jene Dinge, die sie schon über sich offenbarte – also jene winzigen persönlichen Informationen, die sie mir mitteilte. Ich berichtete auch davon, was ich sah – zum Beispiel die Farbe der Kleidungen, die sie trug.
Es schuf eine Basis daraus, was zwischen uns war, ohne dass ich an sie weitere Fragen stellte. Es zeigte ihr, dass ich präsent war damit, was sie freigab und was sie für mich erreichbar machte.
In Fällen von Schande ist es wichtig, etwas über sich selbst mitzuteilen, anstatt von der anderen Person zu viel zu fragen.
Ihre Augen waren dennoch glasig, und sie sagte, dass sie immer mehr abtreibte. Das zeigte, dass der Kontakt zu viel war. Ich fragte sie, wohin sie abgetrieben wurde…sie erwiderte: in einen Ort von unzähligen Welten, vergangenen Leben.
Es war für mich ein Indikator für Dissoziation und dafür, dass die mit der Sicherheit verbundenen Probleme primär waren.
Ich schlug vor, dass sie sich tatsächlich in einen träumerischen Zustand einlassen sollte, wie ich mich selbst auch. Ich konnte sogar jede Person in der Gruppe anregen, das mitzumachen, also sich in einen verträumten Zustand einzulassen, und wir alle könnten einfach in unseren eigenen verträumten Plätzen zusammensitzen.
Dieser Vorschlag gab ihr Schwung und ermutigte weitere Schritte in diese Richtung.
In Gestalt nennen wir das die paradoxe Theorie des Wandels: akzeptieren, was gegeben ist und sich danach zu richten.
Brenda behauptete sie fühle sich nichts.
Mit anderen Worten, sie war völlig dissoziiert. An diesem Ort ist nur ein bestimmter Typ des Kontakts erreichbar.
Ich fragte sie, welche Art von Unterstützung sie brauchte, damit sie sich sicher fühlen würde. Sie erwiderte: „Ich will nicht gesehen werden."
Ich sagte ihr also, dass ich mein Blick von ihr abwenden werde, und gleichzeitig teilte ihr meine Traurigkeit mit. Da ich sie überhaupt nicht ansehen, und auch nicht versuchen, ein Blick auf sie zu werfen werde, wird ihre Camouflage ziemlich vollständig. Ich erklärte ihr, dass ich Wärme gegenüber ihr fühlte, aber trotzdem fand ich keinen Weg zu ihr.
Brenda sah mich an und sagte: „Ich nehme Unterstützung nich gerne an."
Es war die Offenbarung, die mir zeigte, wie ich weiter verfahren sollte.
Ich rückte mit einer Übung heraus: sie hebt beide Hände hoch, mit der einen Hand wegstoßend, mit der anderen Hand geöffnet für die Entgegennahme von Untersützung.
Wir machten die Übung und sie war imstande, meine Unterstützung anzunehmen. Sehr langsam reichte ich meine Hand aus, bis ich ihre geöffnete Hand erreichte und dann greifte ich sie an.
Sie berichtete dann über einen Zwang, der ihr verbot, überhaupt etwas zu fühlen. Ich bat jemanden aus der Gruppe, vor uns zu stehen und diesen Zwang zu repräsentieren. Brenda konnte/wollte nicht erkennen die Person, die diese Rolle spielte, das war aber ganz in Ordnung.
Ich forderte sie auf, dem Zwang eine Behauptung aufzustellen. Sie sagte: „Ich werde dir zuhören, wenn es für mich nützlich ist, ansonsten werde ich mir erlauben, die Unterstützung zu spüren."
Es war eine Behauptung der Differenzierung und der Integration.
Sie konnte sich die Gefühle erlauben, die Unterstüzung akzeptieren, in die Beziehung zu kommen und an diesem Ort angesehen werden, sowie das Gefühl haben, dass sie immer die Wahl hat.
Diese Arbeit war langsam, außerdem musste ich ständig ihre Grenzen vor Augen halten, nicht zu viele Details erforschen, was sogar ihre Gefühle betraf…diese Dinge aber jedoch im Kopf halten. Im allgemeinen reagieren die Leute auf jemand, der solche persönlichen Grenzen aufstellt, entweder so, dass sie sich zurückziehen oder sie sich soz. entfernt, also nur oberflächlich kennenlernen, oder überströmen die Person mit zu viel Interesse oder sogar Liebenswürdigkeit. Was man hier braucht aber, ist eine neutrale Präsenz, mit genug Wärme, aber nicht zu viel, genug Interesse, aber nicht zu viel – das ist, was man Einstimmung nennt, und das ist ein zentraler relationaler Kompetenz.
























Sonntag, 4. Oktober 2015

Case #35 - Wut auf den Ex

Marion warf das Problem der Vereinbarung mit ihrem Exmann über die geteilte Elternschaft auf. Es stellte sich heraus, das es nicht das wesentliche Problem war. Die markante Schwierigkeit bedeutete ihr Unbehagen und ihre unbeendete Angelegenheiten mit ihm.
Bevor wir Marions Problem unter die Lupe genommen hätten, sagte ich ihr: Wenn ich dich ansehe, habe ich das Gefühl, dass deine Augen mich durchbohren. Das hat eine sehr starke Auswirkung auf mich. Was ich deinem Exmann gemeinsam habe, ist, dass ich auch ein Mann bin, und ich glaube so, dass ein Teil dieser enormen Energie, die du ihm gegenüber fühlst, könnte auch hier, in meiner Anwesenheit erscheinen.
Ich fragte sie, was ihr Problem war, worauf sie erwiderte: Wut.
Ich bat sie, mir zu erklären, worauf bzw. auf wen sie wütend war. Sie fing an, eine sehr lange Geschichte über die Umstände zu erzählen…nach einiger Zeit fragte ich sie noch mal: 'OK, also was ist ganz genau dein Problem?' Sie setzte jedoch mit weiteren Details ihrer unendlichen Story fort.
Ich musste meine Frage an sie mehrmals stellen, bis sie imstande war, eine klare, direkte und prägnante Antwort zu geben. Sie war wütend, denn sie fühlte sich von ihrem Exmann verraten, weil er sie finanziell nicht mehr unterstützte, um mehr Geld in sein Unternehmen investieren zu können. Andererseits war sie zornig auch, weil er über diese Sache nicht nur ihr sondern auch ihren Eltern (mit denen sie zusammenlebten) lügte.
Ich bestätigte, dass sie sehr wütend aussah: Ich kann das in deinen Augen sehen. Was spürst du jetzt?
Sie sagte etwas, was mehr mit ihren Bewertungen, ihrem Urteil und ihren Meinungen, aber weniger mit ihren Gefühlen zu tun hatte.
Sie sagte das eigentlich aus: 'Ich halte meine Emotionen zurück.'
Ich regte sie also an, sich vorzustellen, dass ich ihr Exmann bin. Ich bat sie, mich soz. verbal anzufallen. Sie begann zu erklären, dass sie in der Situation auch getadelt werden kann.
Ich führte ihren Fokus zurück und bat sie, mir etwas unmittelbar zu sagen, mit den Worten: 'Ich bin wütend, weil..'
Schließlich begann sie, sich direkt auszudrücken und festzulegen, worauf sie wütend war.
Ich erkannte ihre Gefühle und erkannte ebenfalls, wie ich ihre Wut sehen und hören konnte…und dann konnte ich beobachten, wie die Natur ihrer Wut sich veränderte und ihre Wut fand in Tränen einen Ausweg. Ich konnte ihren Schmerz in diesen Tränen sehen.
Im weiteren förderte ich diesen direkten Ausdruck der Gefühle, während ihr emotionaler Zustand ständig zwischen Wut und Tränen wechselte. Als sie erfuhr, dass jemand ihr zuhört, sie fühlte sich sicherer beim Ausdrücken ihrer Gefühle. Es gab eine Menge stillen Momente auch, voll ihrer Gefühle und meinen simplen Anerkenntnissen.
Am Ende fühlte sie sich viel leichter, und konnte sich von dem Großteil ihres Schmerzens und ihrer Wut befreien, welche sie seit ihrer Scheidung in sich gebracht hatte.
Damit dieser Prozess erfolgreich wurde, musste ich standhaft sein, ihr Bewusstsein führen, sie in ihrem Erlebnis so einbringen, dass ich in dem Experiment auch teilnehme. Außerdem musste ich Marion bei ihrem Geschichtenerzählen anhalten, was für sie ein Mittel für die Vermeidung zu tiefer Gefühle war. Ich sicherte für ihre Wut soz. einen relationalen Behälter, sowie unterstützte und ermutigte sie, sich auszudrücken…es brauchte einige Zeit, bevor sie sich sicher genug fühlte, so zu handeln. Ich akzeptierte ihre Vermeidung auch nicht; stattdessen regte ich sie an, ihr Erlebnis wirklich zu bestizen.
Als Antwort gab ich ihr Bestätigung, wonach sie sich so lange sehnte – an diesem Ort gesehen und gehört werden. Ich war nicht ihr Exmann, aber die Energie war zwischen uns stark genug, dass sie mich als Repräsentant so betrachten und sich mir gegenüber so äußern konnte, als ich ihr Mann gewesen wäre. Damit ich am Anfang betonte, dass ich auch ein Mann war, war genug, die Kraft ihrer Gefühle anzuregen. Meine Empfänglichkeit war echt genug für sie, damit sie es wirklich glauben konnte, dass ich das alles nicht nur schauspielerte.
Was bemerkenswert ist, dass sie nicht schrie, keine Kissen schlug oder sogar ihre Stimme erhob. Zorn bewegt sich in Beziehung und durch Besitz, nicht unbedingt durch dramatische Therapie-Techniken.








Samstag, 19. September 2015

Case #34 - Kontakt und Authentizität

Nathan hatte einen robusten Körperbau, er war nachdenklich, und hatte eine klare und starke Präsenz.
Sein Problem war die Authentizität. Er fühlte so, dass er vor anderen Menschen nicht echt sein konnte.
Er argumentierte oder kämpfte fast nie. Er war kooperativ sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause.
Was seine Familiengeschichte anbelangt, es gab Auseinandersetzungen und Gewalt zwischen seinem älteren Bruder und seiner Schwester. Inzwischen war Nathan 'der gute Junge' in der Familie. Es gab zwei Anlässe, die ihn als Kind geprägt hatten. Der eine war, als er auf seinen älteren Bruder sehr wütend war, und er warf einen Gegenstand auf ihn, der seine Augen fast ausstach. Der andere Fall passierte, als er einen Junge in der Schule anschlug, der ihn anschließend zu Hause aufsuchte und sein Gesicht krallte.
Seitdem verhielt er sich zurückhaltend und prügelte sich nie.
Er überraschte mich sehr, als er bekannte, dass er nicht selbstsicher war. Ich war verblüfft, weil er offensichtlich ein sehr starker Mann war, der sich in seinem eigenen Körper wohl fühlte.
Er verriet mir, dass er scharfe Urteile über anderen hatte, die er meistens für sich behielt.
Ich probierte also einen authentischen Prozess aus, was ich zuerst mit ihm machte.
Es gab drei Komponenten: was er dachte, was er fühlte, und was er von dem anderen wollte.
Ich machte das mit ihm und er auch mit mir. Er schaffte es ganz einfach.
Ich definierte das, als eine authentische Begegnung. Wenn wir das fortsetzen würden, würde es zu einem authentischen Dialog und dann letztendlich zu einer authentischen Beziehung führen.
Danach bat ich Nathan, den Prozess mit drei weiteren Menschen in der Gruppe wiederholen. Bei der ersten Person lief alles wie geschmiert. Die zweite Person, eine Frau gab ihm eine umfassende, ziemlich komplexe Antwort. Er ging verloren, und ich ermutigte ihn, darauf mit einer Erklärung über seine Gefühle zu reagieren. Ich hatte einen Formel für ihn, der insbesondere für die Kommunikation mit Frauen geeignet war: nach der anfänglichen authentischen Begegnungserklärung musste er nach jeder einzelnen rationalen Aussage drei Sätze über seine Gefühle sagen.
Er dann übte das mit einer weiteren Person.
Ich wollte wissen, wie er das Experiment fand: „Einfach" – erwiderte Nathan.
Es zeigte mir ganz klar, was er brauchte, und zwar, dass jemand ihm Richtung, sowie einige Leitlinien gibt und ihn darin unterstützt, dass er diese ausprobieren und üben kann.
Als ein Mann wollte er klare Instruktionen. Als jemand mit viel latenter Kraft wollte er nur die Art und Weise wissen, wie er das in einer sicherer Form anfassen kann.
Er war sich sicher darin, dass er die Ausübung des Prozesses weitermachen kann.
Natürlich hätten wir mit der Situation seiner Herkunftsfamilie oder mit seiner Konfliktvermeidung arbeiten können. Dies war aber ein Eingriff, der gegenwärtig und zukunftsorientiert war, und ermöglichte ihm, das sofortige Erlebnis des Erfolgs zu erleben. Es war wichtig, dank seiner abnehmenden Selbstsicherheit. Es gewährleistete ihm ein Mittel zum experimentellen Lernen, und er konnte für sich im späteren den Prozess des authentischen Kontakts entdecken.
Der Kontakt ist einer der Schlüsselbereiche der Gestalttheorie und –praxis. Das war eben das Zentralthema dieser Therapiesitzung.





Montag, 14. September 2015

Case #33 - Eine vollständige und authentische Offenlegung

Das Problem von James war, dass er die ganze Woche sehr hart arbeitete, in andere Städte flog und danach kam er am Freitag nach Hause. Während er weg war, konnte er kaum erwarten, wieder heimzukehren. Es war sehr wichtig für ihn, dass seine Frau und sein Kind zu Hause waren. Er wusste und mochte, dass wenn er endlich nach Hause kam, erwartete ihn immer ein häusliches Gefühl, die Wärme des Zuhause.
Seine Frau war allerdings ein Top-Manager und sie war in den meisten Fällen nicht zu Hause. Als James das Thema ins Gespräch brachte, sie hebte hervor, dass ihre Karriere ebenso wichtig war, und seine Gefühle seine Probleme waren.
Er war mit seiner Frau seit vielen Jahren zusammen und beide interessierten sich nach dem persönlichen Wachstum und der Astrologie. Er hatte das Sternzeichen Krebs, welches in der Astrologie als sehr emotional beschrieben ist.
Ihre Beziehung war tief und liebevoll, aber sie hatten auch Auseinandersetzungen, die er verringern und die Beziehung entwickeln wollte.
Ich wählte diesen Moment fürs Eingreifen.
Ich bat etwas von ihm, das für seine Frau gleichermaßen wichtig war, das sie von ihm gerne hätte bekommen wollen. James erzählte mir, dass wenn seine Frau am Arbeitsplatz eine Präsentation hielt, und darvon ihm erzählte, sie wollte immer seine Anerkennung und Wertschätzung.
Ich bat ihn um ein zweites Ding. Wenn sie ein Buch (in der Regel im Thema der persönlichen Entwicklung) las, wollte seine Frau, dass er es auch liest und dann sich mit ihr darüber unterhält.
Ich fragte James, ob er irgendwelche dieser Sachen machte. Er antwortete: zu einem gewissen Grad…aber nicht zu ihrer Zufriedenheit.
Ich empfahl ihm, dass er in erster Linie diese zwei Bitten von ihr ernst nimmt und beide aus vollem Herzen erfüllt.
Nachdem er eine Zeitlang so getan hatte, schlug ich ihm vor, dass er ihrer Frau eine vollständige, komplexe und authentische Erklärung gibt, wie bedeutsam es für ihn ist, sie am Freitag Abend zu Hause zu finden.
Ich demonstrierte, was ich darunter verstand, mit einem Beispiel aus meinem eigenen Leben:
In meiner Jugend nahmen Geburtstage immer einen besonderen Platz in unserer Familie ein. Während in der Familie meiner Frau wurden Geburtstage kaum gefeiert; es gab auch Zeiten, in denen der Geburtstag ihrer Schwester gefeiert wurde, ihr Geburtstag jedoch nicht.
Infolgedessen begeisterte sie sich für Geburtstage nicht so sehr; sie feierte sie nur privat und ganz simpel.
Ich erwartete meinen Geburtstag, etwas besonderes zu sein. Ich rechnete mit einem großen Anzahl von Markierungen, die wirklich zeigen, dass es 'mein großer Tag' ist. Es gab Gelegenheiten, wenn sie diese Dinge nicht so tat, wie ich wollte, und ich fühlte mich deswegen verletzt; das war etwas, was für sie schwer zu verstehen war.
In diesem Fall sah mein vollständige, komplexe und authentische Aussage also ungefähr folgendermaßen aus:
Ich weiß, dass Geburtstage für dich peinlich sind und dass du während deiner Kindheit sehr schlechte Erfahrungen über sie gesammelt hast. Ich weiß aber auch, dass du dich sehr bemüht hast, meine Geburtstage schöne Anlässe zu machen. Ich bin sehr dankbar dafür. Ich habe ebenfalls erfahren, dass es Zeiten gab, wenn du es aus irgendwelchen Gründen nicht statthaft gefühlt hast, extra Anstrengungen zu machen oder mehr zu machen, als was nötig ist. Ich verstehe, dass es viel damit zu tun hat, wieweit du dich wirklich imstande fühlst, zu geben. Ich weiß auch, dass es für dich an deinem Geburtstag hinreichend ist.
Ich unterscheide mich jedoch von dir. Für mich sind Geburtstage ebenfalls peinlich, aber in einer anderen Weise. Geburtstage waren und sind traditionell sehr spezielle Feiertage. Ich habe soz. eine unausgesprochene Erwartung und Hoffnung, dass ich 'das Erste' an diesem Tag wird. Und auch wenn du in nicht so guter Laune bist, du würdest das alles beiseite legen, nur für diesen Tag, damit ich so fühlen könnte, dass ich eine Art besondere Behandlung erhalte. Das würde für mich sehr viel bedeuten, umso mehr, weil ich weiß, dass es für dich nicht immer so einfach ist. Ich bin besorgt, dass ich es dir sage, weil es für mich wichtig, für dich aber ein schwieriges Thema ist. Ich schätze sehr, dass du dich überlegst, worum ich dich gebeten habe. Wenn du willst, du kannst dich darüber nachdenken und ein anderes Mal mit mir darüber sprechen.
--
Damit ich James dieses persönliche Beispiel aus meinem eigenen Leben zeigte, konnte er verstehen, wie er eine komplexe und authentische Aussage konstruieren, und das für sein eigenes Problem verwenden konnte.
In Gestalt geht es darum, wie man ein Beziehung vertiefen und authentischer machen, sowie den Kontakt und die Intimität fördern kann. Das war eine Beispielmethode, die wir in solchen Fällen einsetzen, wenn unser Klient mehr als die Grundlagen der Kommunikation weiß.







Dienstag, 8. September 2015

Case #32 - Authentische Ressourcen

Diane hatte zwei Probleme. Das erste Problem war, dass ihr größerer Sohn (12) nicht so fleißig lernte, wie Diane das gewünscht hätte.
Ich fragte sie, wie sie seine Schularbeit in einer Skala einschätzen würde, und sie antwortete 6 oder 7. Machte er seine Hausaufgabe? Ja. Aber ehrlich gesagt, wenn ein Schüler eine Top-Schule besuchen will, muss er Top-Noten haben, also der Druck war sehr groß.
Zuerst erzählte ich über meine Erlebnisse – mein Glauben in elternzentrierter Erziehung, meine Überzeugung von der Wichtigkeit des ausgewogenen Lebens für ein Kind, sowie meine Gedanken darüber, dass die akademische Leistung nicht immer das oberste Ziel ist.
Es war wichtig, meine Position auszudrücken und alle Grenzen von Differenz zu ergründen. Außerdem wollte ich wissen, wo und wie meine Bereitschaft (und auch ihre Einschränkungen), ihr zu helfen, ihren Bedarf und Lage treffen kann.
Sie ringte, weil sie zuvor zahlreiche Bücher über die Erziehung gelesen hatte, und versucht hatte, ihrem Sohn etwas Raum zu schaffen. Trotzdem machte sie sich Sorgen über seine Zukunft und wusste nicht, wie sie ihn effektvoll motivieren könnte.
Mein Vorschlag war also folgendes: sie setzt sich mit ihm und sagt ihm klar, was für sie in seinem Aufwachsen wichtig ist.
Danach sollte sie die zukünftigen Möglichkeiten ihres Sohns skizzieren: die Gesellschaft und das Schulsystem, die sehr kompetitiv waren und bestimmte Noten erforderten, um dann in bestimmte Instituten aufgenommen werden zu können. Sie sollte die unterschiedlichen Einrichtungen vergleichen, sowie ihre Voraussetzungen, und die Vorteile und Nachteile des Besuchs dieser Institutionen.
Sie soll dann ihn in seiner Entscheidung unterstützen: was seine Ziele sind, was er im späteren erreichen will und was er tun soll, um diese Pläne zu verwirklichen.
In dieser Weise kann sie völlig authentisch sein, gleichzeitig ihn darin zu fördern, dass er seine eigenen Motivationen findet. Ihre Bereitschaft und Wunsch nach der Unterstützung von ihm kann so gerichtet werden, dass es seine Entscheidungen untermauert und nicht für ihn wählt.
Ihr zweites Problem stand im Verhältnis zu ihrem Mann: er kommt nach Hause, trinkt ein Bier, liest seine Zeitungen, schreibt seinen Blog und ignoriert Diane und die Kinder völlig.
Offensichtlich war Diane unzufrieden mit der Situation, aber sie konnte keinen Weg finden, dieses Problem zu umgehen.
Im Übrigen nahm sein Mann an dem Familienleben teil, organisierte Familienausflüge, nahm Zeit für seine Familie und kochte häufig für sie.
Er war niemals der gesprächige Typ und hatte immer Probleme mit der Kommunikation, es gab also nichts Neues in dieser Situation.
Es war mir ganz klar, dass es nicht effektvoll wäre, wenn wir etwas von ihm fordern, ihn sekkieren oder sogar ihn darum bitten würden, authentisch zu kommunizieren.
Ich fragte nach seinem Blog. Diane sagte, er war sehr transparent, witzig und bindete Photos ein, die auf dem unteren Teil interessante Kommentare hatten. Sie wünschte sich, dass ihr Mann auch mit ihr so sprechen würde.
Die Richtung war klar für mich. Sie könnte ihn nicht verändern aber sie könnte sich an ihm anschließen. Ich fragte, ob er ein iPad hatte. Sie sagte, das sie es früher versteckt hatte.
Ich forderte sie auf, es ihm sofort zurückzugeben und für sich auch ein iPad zu kaufen. Sie könnte dann mit ihm in Schrift kommunizieren. Sie könnte zu seinem Blog Kommentare hinzufügen (er schrieb jenen Menschen immer zurück), ihm kleine Messages, E-mails und kleine Einzeilers schicken. Während er seine Zeitung liest, könnte sie ihm kleine Kommentare schicken. Sie könnte Briefe schreiben, sie ausdrucken und per Mail an ihn versenden oder unter sein Kissen legen.
In dieser Weise versuchte ich mit den vorliegenden Sachen etwas beginnen. Ich wollte nicht an ihrer intrapsychischen Dynamik arbeiten und verweigerte, ihren Begriff zu verstärken, nämlich dass etwas mit ihr nicht in Ordnung ist, weil ihr Mann sie nicht beachtet. Stattdessen suchte ich nach den Ressourcen und kreativen Lösungen, wie sie mit ihm den Kontakt so aufnehmen könnte, dass es von den gewöhnten Kommunikationsformen abweicht.   




















Mittwoch, 2. September 2015

Case #31 - Sex gegen Intimität tauschen

Louise sagte, dass sie mehr Leidenschaft in ihrer Beziehung wollte.
Ihr Mann hatte eine Affäre vor 5 Jahren. Es dauerte ca. ein Jahr. Er bekannte sich, kniete nieder, bat um Vergebung, und beendete die Affäre.
Seitdem verbesserten sich die Dinge langsam, es gibt jedoch einige unerledigten Probleme für Louise.
Als er ihr zum ersten Mal über seine Affäre erzählte, sie reagierte ziemlich rational und fragte ihren Mann, ob er die Ehe verlassen will oder nicht. Ihr unmittelbarer Umgang mit dem Problem war, dass sie die Situation einschätzte und herausfindete, wo sie und er in dieser Lage standen. Es war eine gute anfängliche Überlebensstrategie.
Jedoch fühlte sie später Traurigkeit.
Seit kurzem fühlte sie auch ihren Zorn.
Es war aber nicht etwas, was sie kundgab. Ihr Mann weiste darauf hin, dass wenn sie wirklich wütend wäre, wäre er bereit, sie (aus seinem Schuld) zu verlassen. Sie hatte also Angst davor, dass er das macht, wenn sie ihre Emotionen ausdrückt.
Es verzehrt sie völlig. Obwohl es viel Gutes in ihrer Beziehung gibt, konnte sie sich ihm trotzdem nicht ganz eröffnen, inbegriffen auch die sexuelle Seite – sie hält sich ein bisschen zurück. Ich fragte sie, wie oft sie Sex hatten – ungefähr viermal pro Monat.
Ich fragte auch, wie viel sie sich unterhielten – ca. eine halbe Stunde täglich im Durchschnitt.
Ich bat Louise, das Intelligenzniveau ihres Mannes zu bewerten. Sie sagte drei. Es war für mich ganz klar, dass sie die erwartete, für sie entsprechende Zuwendung von ihrem Mann unter diesen Bedingungen nicht bekommen wird. Die Arbeit mit ihr über das Ausdrücken ihrer Gefühle hätte nicht zur Lösung geführt; es konnte einen Teil ihres Zorns herausholen, aber nicht ihre Intimität erhöhen, weil nichts anderes von ihm kommen hätte. Und ohne mit ihm darüber zu sprechen, was mit ihr passiert, würde ihre Beziehung auf einer etwas oberflächlicheren Ebene bleiben.
Gestalt arbeitet nicht auf die 'Verzeihung' hin, obwohl das die 'was ist'-Situation hervorhebt.
In diesem Fall aber, gab es eine Reihe von Alternativen, über die sie nicht wusste.
Louise war eine Lehrerin, und erzählte mir, dass sie ihren Unterrichtsstil in den vergangenen Jahren verändert hatte, um die 'sollten und sollten nicht" wegzulassen. Sie bemerkte eine allmähliche und sehr bedeutende Veränderung in ihrem Unterrichtsraum. Sie war gleichzeitig 'auf der Suche nach sich selbst'.
Ich wusste also, dass sie selbst auch ihre Quellen hatte und dass sie über ihr eigenes persönliches Wachstum gearbeitet hatte.
Es übte jedoch fast keinen Einfluss auf ihre Beziehung.  
Mein Schwerpunkt lag auf der Arbeit mit dem Problem der Paarbeziehung, anstatt mich nur intrapsychisch mit Louise oder interpersonal mit mir zu befassen.
Ich gab ihr also eine kleine Hausaufgabe.
Ich schlug vor, dass sie ihrem Mann sagt, dass sie mehr Sex mit ihm und mehr Nähe will. Und damit, dass diese auch Louise machen kann, braucht sie mehr Intimität auch.
Um all dies zu erreichen, sie sollen etwa eine halbe Stunde pro Tag mit einander verbringen und die Intimität in ihrer Beziehung entwickeln. Ich empfahl eine Reihe von Optionen: das authentische Sprechen miteinander über kleine Sachen üben; gemeinsam ein Buch lesen und darüber diskutieren; einige Übungen gemeinsam ausprobieren, wie z. B. zuhören oder Gefühlsausdruck; Raum schaffen, um den Groll des anderen zu hören; oder einfach Dinge in jener Zeit gemeinsam machen, das das Gefühl der Verbindung und Nähe zwischen ihnen erhöht.
Ich war mit ihr einverstanden, dass es völlig ungerecht war. Louise spielte in bestimmter Weise die Lehrerin, die diesen Vorgang organisierte, und ihren Mann in Schwung brachte, um ihre Wut ihm sicher ausdrücken zu können. Es war nicht fair, dass sie in diesem Sinne doppelte Arbeit machte.
Es gäbe jedoch auf vielfältige Weise andere Vorteile und diese würden ebenso helfen, ihr eigentliches Ziel, nämlich mehr Leidenschaft in ihre Beziehung hineinbringen, zu erreichen.
Als Ergebnis wären sie näher dazu, auf derselben Seite zu sein, anstatt eine Entdeckungsreise nach der persönlichen Bewusstheit zu machen, die nur sie betrifft.
Diese Annäherung verwandte die Methode, die wir 'Arbeit auf der Paarbeziehung mit einer Person' benennen. Das heißt, dass wir die Beziehung während der Arbeit mit dem Klienten an der Spitze halten. Anstatt nur auf das Paar zu fokussieren, untersuchen wir aber auch, wie wir die Beziehung verstärken können. Zahlreiche Emotionen, Identitäten und Geschichten sind Produkte der Paarbeziehung. Also eine Weise in Richtung Veränderung ist, einen bedeutenden Wechsel in der Beziehung auszulösen, und sich nicht ausschließlich auf die individuellen Erfahrungen zu konzentrieren. Diese Annäherung legt den Schwerpunkt darauf, dass wir statt der Teilen eher mit dem Ganzen arbeiten.  
Es klingt sehr soldatisch, Sex gegen verändertes Verhalten zu tauschen – aber Menschen tun das eigentlich ganz unbewusst. Das zu beherrschen, was der andere hat, das in der Beziehung zum Vorschen bringen, dann der anderen Person die Wahl geben. In dieser Weise ist eine solche Anregung nicht manipulativ, sondern eher aufrichtig. Und solch ein Austausch in diesem Kontext führt dazu, dass die Beziehung des Paares verbessert wird.













Montag, 10. August 2015

Case #30 - Ein guter Grund, sich nicht sexuell zu fühlen

Bridgit berichtete über ein gefrorenes Gefühl in ihrem unteren Rückenbereich und im Genitalbereich. Sie war seit 5 Jahren geschieden, und schaffte nicht, eine neue Beziehung zu finden.
Sie sagte, dass sie von ihrem Mann verletzt wurde. Sie reagierte auf seine sexuelle Annäherung oftmals nicht, obschon er sich in vielfacher Weise bemühte. Übrigens hatte die Beziehung viele gute Aspekte.
Ich fragte nach, wie genau ihr Mann sie verletzt hatte, sie fand es jedoch schwer zu bestimmen. Sie sagte, dass sie sich ihm nah fühlte, es war also die Stelle, wo sie die Verletzung erfuhr.
Es schien aber so, dass er nichts besonders schädliches gemacht hatte. Der Hund lag also anderswo begraben.
Sie verriet mir, dass sie nicht wirklich viel Gefühl in ihrem Körper hatte. Ich brachte mich ins Thema ein, und erzählte ihr über meine Erlebnisse der Distanzierung und darüber, wie schwierig ich fand, völlig in meinem Körper zu sein.
Sie ahnte so, dass ihr Problem aus ihrer Kindheit stammte. Sie erlebte mit, dass ihr Bruder von ihren Eltern im Alter von 8-16 Jahren sehr schwer verprügelt wurde. Danach war er von Menschenhändlern entführt, und 5 Jahre mussten vergehen, nachdem er endlich einen Brief schreiben und gerettet werden konnte. Allerdings, danach streifte er die Straßen mit anderen Bettlern durch, stahl, war mehrmals im Gefängnis und stahl sogar von ihr, als sie ihm helfen wollte. Vor 15 Jahren starb ihr Vater und sie sagte, dass ihrem Bruder seitdem alles gut ging. Er war froh und führte ein gutes Leben.
Gleichwohl fühlt sie viel Schmerz und fühlt sich schuldig dafür, dass sie nichts gegen das Verprügeln tun konnte.
Ich wies auf die Tatsache hin, dass sie während dieser harten Zeit keinerlei Unterstützung hatte – sie konnte mit niemandem sprechen, hatte niemand, der sie hätte trösten können.
Ich schlug vor, da der Schmerz für sie immer noch sehr lebendig war, dass ich mich neben ihr setze und meinen Arm um sie lege, wodurch sie die nie erfahrene Unterstützung fühlen kann. Ich wollte, dass sie das Gefühl erhält, als ob ich während dieser schweren Zeit auch da gewesen wäre.
Als ich das tat, sie begann mit einem sehr tiefen Schmerz schluchzen und nach Luft zu schnappen. Ich hielt sie fest, und atmete, blieb präsent, und hörte dem furchtbaren Schmerz in ihrem Weinen zu.
Nach einiger Zeit, das Weinen ließ nach, und sie wurde still und leise. Ich sagte anerkennende Worte.
Dann, Bridgit setzte sich auf und sah mich an. Sie sagte: „Ich möchte jetzt dir etwas geben." Ich konnte die Änderung in ihr und meine Energie spüren. Ich sagte, ich kann das fühlen, und fühle die Wärme. Sie berichtete, dass sie sich auch wärmer fühlte, im ganzen Körper.
Ich fragte sie, was sie mir geben wollte, aber sie suchte die Worte für einige Zeit. Dann sie sagte: „Ich möchte deine Augen mit meinen Augen küssen." Ich spürte ihre Offenheit und den Energiefluss zwischen uns. Ich äußerte: Du bist jetzt schon in deinem Körper und für eine Beziehung bereit. Sie nickte.
Ich wählte weder die erste Figur (das gefrorene Gefühl), die sie erwähnte, noch die zweite Angelegenheit (Gefühlsmangel allgemein im Körper). Ich antwortete auf diese Dinge nur dialogisch und wartete, bis etwas anderes auftauchte, und zwar die unvollendeten Angelegenheiten aus ihrem Familienleben.
Ich erlebte mit, wie so ein Trauma tiefe Spuren auf ihr hinterließ, und wie sie sich an dem Schmerz und dem Schuldgefühl festhielt, obwohl ihr Bruder sein Leben schließlich zurecht gemacht hatte.
Sie war nicht imstande, sich vorwärts zu bewegen, bis sie nicht wirklich in ihrem Schmerzzustand gesehen und da völlig unterstützt wurde.
Das Ermöglichen dieser Erfahrung löste ein hochgradig heilendes Erlebnis aus, das ihr erlaubte, sich von dem Schmerz und dem Schuldgefühl spontan zu befreien, in ihren Körper zu kommen, und für die sexuellen Gefühle erreichbar zu sein.  










Dienstag, 4. August 2015

Case #29 - Das wütende kleine Mädchen wächst endlich auf

Mary brachte das Problem des „Groll gegen ihren Vater" mit. Ich fragte sie, was genau sie ärgerte. Sie antwortete, dass er und ihre Mutter sich geschieden hatten, als sie 4 Jahre alt gewesen war.
Ich erkundete das Wesen ihres Problemfeldes. Alles passierte vor 20 Jahren und seitdem sah Cathy ihren Vater ca. zehnmal. Sie wusste sehr wenig über ihn.
Sie dachte so, dass ihre Mutter das Opfer war, denn ihr Vater eine Affäre hatte und dann heiratete wieder.
Sie unternahm keine Anstrengung in ihrem Erwachsenenleben, den Kontakt mit ihrem Vater aufzunehmen. Als ich mich bei ihr nach der Ursache erkundigte, sie erwiderte, dass er seine Tochter aus seiner zweiten Ehe früher mitgebracht hatte, und Mary fühlte sich extrem eifersüchtig, als sie die Zuneigung ihres Vaters zu ihrem Halbschwester miterlebt hatte. Ich sagte Mary, dass ich weder mit der Scheidung ihrer Eltern noch mit ihrem Ärger darüber arbeiten will (da diese Angelegenheiten nicht wirklich das zentrale Problem bedeuten). Stattdessen, ich wollte mit Mary als eine Erwachsene arbeiten und herausfinden, was sie in der Gegenwart tun soll.
Sie weigerte sich, aber meine Grenzen wurden aufgestellt.
Ich erzählte ihr über die Geschichte meiner eigenen Scheidung und über das Gespräch, das ich mit meiner ältesten, schon erwachsenen Tochter unter anderem über ihre Fehlinformationen gelegentlich unserer Scheidung geführt hatte.
Ich sagte ihr, dass ich bereit war, sie darin zu unterstützen, dass sie ihr eigenes Gespräch mit ihrem Vater findet. Damit war ich jedoch nicht einverstanden und wollte nicht fördern, dass sie sich in irgendeiner hilflosen, opfernden oder machtlosen Rolle aufhält.
Sie erbte die Geschichten ihrer Mutter und wurde durch diese geformt. Als Erwachsene hatte sie schon ihre Wahlmöglichkeiten, sie konnte sich frei entscheiden und unmittelbar bei ihrem Vater nach der anderen Hälfte der Geschichte zu fragen. Bisher machte sie das nicht, ich legte also meinen Fokus darauf, dieses Ziel zukünftig zu erreichen, anstatt die Vergangenheit durchzukramen.
Ferner, als wir über diese Sachen sprachen, hatte Mary ein kleines Mädchen-Stimme und Manieren. Ich sagte ihr, dass ich mit ihr mitfühlte und völlig verstand, dass sie so viel mit ihrem Vater verpasst hatte. Das alles war aber derzeit 'Schnee von gestern' und keine Menge von Therapie oder Interaktion mit ihm konnte jene vergangenen Jahren wiederherstellen.
Wir mussten die tragische Situation und den Schmerz so annehmen, wie sie waren, und aus dieser Position ihre Ressourcen finden. Es war ein hartes Vorgehen, aber andernfalls hätten wir nur ihr Steckenbleiben in der hilflosen Position unterstützt und gefördert. Damit hätten wir nur erreicht, dass sie sich nach etwas verlangen würde, was sie schon verpasst hat.
Manchmal kann die erweiterte Empathie den Menschen helfen, andermal brauchen sie aber klare Grenzen und die Art und Weise, wie sie sich vorwärts bewegen können, anstatt stetig nach hinter zu gucken. In ihrem 'kleinen Mädchen-Selbst' hatte sie keine Wahl, keine Kraft, sich in die Richtung ihres Vaters zu bewegen.
Mary verriet mir, wie sehr sie ihren Vater anschlagen wollte, als sie noch kleines Kind war. Ganz eindeutig war sie zornig und ich fand das verstehbar. Sie fand aber keine andere Weise, sich in Beziehung zu ihm zu stehen und war immer noch wütend in der gleichen 'kleines Mädchen-Weise'.
Ich regte also eine Übung an: sie sollte irgendwelche Position im Therapieraum aufnehmen, wo sie sich nah zu ihrer Mutter fühlte, und dann durch den Raum zu ihrem Vater gehen. Sie beginnt vielleicht ein Gespräch mit ihm oder steht ihm vielleicht einfach zur Seite.
Mary fand diese Aufforderung äußerst schwierig, und sie hatte sogar Angst davor. Ich tat alles, was ich konnte, sie zu ermutigen, aber ich ließ ihr auch die Wahl. Ich erinnerte sie oft daran, dass sie 24 Jahre alt war. Ich bat sie, aus der 'kleinen Mädchen-Stimme' auszukommen, ihren Rücken aufzurichten anstatt zusammenzubrechen (sie hatte regelmäßige Rückenschmerzen), und sich zum Platz des Erwachsenenalters und der Wahlfreiheit zu bewegen.
Mary stimmte langsam dem Experiment zu. Sie machte nur einen Schritt auf einmal, und brauchte viel Unterstützung bei jedem Schritt, um nicht zusammenzufallen. Endlich erreichte sie die Position ihres Vaters, und ich bat jemanden aus der Gruppe, die Rolle der Vater zu spielen.
Sie fand es besonders schwer, zu ihm zu sprechen. Ich fragte sie also, was sie fühlte, und setzte solche Sätze zusammen, die auch sie benutzen konnte. Ich machte das für ein halbes Dutzend verschiedener Emotionen, sie hatte also eine ganze Reihe von Dinge, die sie sagen konnte. Sie brauchte mehr Förderung, um die Worte aussagen zu können. Tatsächlich machte sie kleine, scharfe Atemgeräusche, die, als sie identifiziert wurden, ihre Beschwerde über die Aufmerksamkeit ihres Vaters auf ihre Halbschwester beinhaltete.
Sie hätte Fragen an ihn gehabt, ich weiste sie aber, nur Aussagen zu machen. Ich betonte die manipulative Eigenheit der Fragen, und führte sie zu den Ursachen zurück, und zwar, warum sie sich ihrem Vater nähern wollte.
Schließlich sprach Mary zu ihrem Vater: sie sagte ihm, dass sie wütend und verletzt war, aber freute sich jedoch, ihn zu sehen. Zumeist sprach sie über ihre Erschütterung und Ängste. Die Person, die ihren Vater repräsentierte, erwiderte darauf, dass es sie freute, sie zu sehen; es war nicht, was Mary erwartete.
Der ganze Prozess war sehr schwierig für sie. Ich musste also die Übung immer wieder ein bisschen erleichtern, z. B.: ich sagte ihr, dass es nur eine Therapiegruppe war, ihr eigentlicher Vater und ihre Mutter nicht da waren, und sie einfach auf dem Bambusparkett spazierte. Es reduzierte den emotionalen Valenz, obwohl nur geringfügig. Ich begleitete sie bei jedem Schritt, coachte und unterstützte sie, und forderte sie auf, im Erwachsenenzustand zu bleiben.
Das war ein Beispiel für den 'sicheren Notfall' des Gestalt-Experiments, wo wir ein Gebiet betreten, das normalerweise zu hart ist, handeln wir jedoch mit so viel Unterstützung, wie viel benötigt ist.
Es ermöglicht der Person, neue Erfahrungen zu machen.
Solche Übungen sind jedoch nicht normativ, und die Klienten sind gefördert, diese nicht in neue 'sollen' zu transformieren, sondern eher als die Aufklärung des Bewusstseins und Wahlfähigkeit zu betrachten.











Donnerstag, 23. Juli 2015

Case #28 - Die sprechende Hose

Nancy erörterte eine ganze Reihe von Problemen. Sie fühlte so, dass es eine Lücke zwischen authentisch zu sein und ihres Verhaltens gibt. Sie hatte ein Kind aus ihrer ersten Ehe; es gab sehr wenigen realen Inhalt in dieser Beziehung, sie lebten selten zusammen.
Sie erzählte über ihre zweite Ehe; sie hatte mehrere Fehlgeburten, dann wollte ihr Mann ein anderes Kind, sie aber nicht so sehr. Sie verriet mir, dass sie mit ihrem zweiten Mann glücklich war, trotzdem verheimlichte sie vor ihm manchmal, dass sie Workshops besuchte.
Sie sprach darüber, dass sie physisch nicht stark war, und das wollte sie verändern.
Ich betonte, dass die eine Angelegenheit zu der nächsten führte und deshalb konnte keine verbleiben, sich vertiefen, oder geeignet zu finden, darauf zu fokussieren. In der Tat, sie sagte, dass andere Therapeuten Problemen damit hatten, sie festzulegen.
Ich erkundigte mich, was sie von mir wollte: „mich zu retten" – antwortete sie darauf. Ich erklärte Nancy, dass ein Teil von mir sie sehr gerne retten würde, aber es schien bisher so, dass diese Methode nicht so gut funktionierte. Ein anderer Teil von mir wollte sie befähigen, es schien jedoch ebenso nicht funktionieren.
Am Anfang der Therapiesitzung bemerkte ich ihre Hosen – ein sehr buntes und sehr komplexes Design. Meine Augen kehrten auf sie immer wieder zurück, ich konnte sie  nicht nicht bemerken. Ich bemerkte auch ihre Lippen – sie hatte viele Gesichtsausdrücke und biss ihre Lippen sehr oft oder zeigte ihre Zähne in einer merkwürdigen Weise. Ich machte Bemerkungen auf beide Erscheinungen. Sie hatte kein Bewusstsein über ihre Lippen, und ihre Hose interessierte sie nicht.
Nach mehr Unterhaltung kehrte ich zu ihrer Hose zurück und empfahl, das gemeinsam herauszufinden, ob ihre Hose uns helfen könnte, zu bestimmen, mit welchem Thema zu arbeiten.
Ich fragte sie welchen Aspekt ihrer Hose sie wirklich liebte. Sie zeigte eine kleine Fläche um das Fußgelenk herum und zeigte auf drei verschiedenen Farben hin, die sie als warme Tönungen und kalte Tönungen beschrieb.
Ich forderte sie an, diese Farben zu sein, also sich in jede Farbe zu versetzen und sich zu beschreiben. Sie sprichte zuerst über ein warmes, lustiges und strahlende Selbst. Dann über ein kühles, nachdenkliches Selbst, das allein sein mochte. Danach über sprödes, berechnendes, rationales Selbst.
Ich teilte mit ihr meine Meinungen über jede einzelne Farbe. Als wir die letzte Farbe erreichten, sie reagierte sofort und behauptete soz. vorbeugend, dass dieser Teil nicht in Ordnung war und dass sie sich dafür verantwortlich machte.
Es stellte sich heraus, dass es in ihrem Leben viel „sollen" gab, was diesen Teil verdarb. Ich fragte, woher das entsprung – von ihrer Mutter. Wir suchten also ein Kissen, das ihre Mutter repräsentierte und Nancy sprach zu ihr, stellte ihre Beziehung fest, aber gleichzeitig ihre Grenzen im Zusammenhang mit der Liste der 'sollen'.
Ihre vorherige Schwiegermutter war in gewisser Weise „ideal", aber noch voll mit 'sollen'. Ich bat sie, diese Schwiegermutter auf das Kissen zu platzieren und wieder legte sie ihre Beziehung und ihre Grenzen fest.
Ich kehrte immer wieder zu dem kühlen/berechnenden Teil von ihr, und versuchte, ihn zu validieren. Jedes Mal, wenn sie das ablegen wollte, fragte ich sie, ob sie sich von den 'sollen' gelenkt werden lassen will. Sie antwortete mit Nein.
Schließlich konnte sie sich auf mich achten, als ich über mein berechnendes Selbst erzählte. Ich sagte ihr, wenn ich in meiner Arbeits-/Geschäftsrolle war, oder mich bodenständig fühlte, konnte ich diesen Teil von ihr ganz leicht annehmen. Oder wenn ich in meiner eigenen spröden und berechnenden Betriebsart wäre, wäre das ebenso in Ordnung. Aber wenn ich mich anfällig fühlen würde oder Bedürftige wäre, könnte ich dadurch verletzt werden.
Sie konnte mir endlich ohne Zwischenrede zuhören und meine Anerkennung annehmen. Sie sagte: „Es ist aber ein Teil von mir, den ich verändern möchte, weil er die Menschen verletzen kann." Ich antwortete darauf: „Mich interessiert eher deine Anerkennung, denn es ist tatsächlich ein Teil von dir. Wenn du in diesem Platz bist, das ist, wo ich mich mit dir tatsächlich sicher fühle."
Nancy verstand, dass es nicht eine Frage des Loswerden dieses Teils war, oder sogar das umzuwandeln, sondern einfach ihre Existenz zu anerkennen.
Es war schwer, diese Therapiesitzung zu beginnen. Jedes Mal, wenn sie etwas klar erzählen begann, veränderte sich das Thema und ihr Aspekt sofort. Diese Tatsache, also ihr ständiger Fokuswechsel verdiente Beachtung. Ich wollte nicht darauf fokussieren, weil es nicht genug Abstand zwischen uns gab. Ich spielte ein wenig mit der Möglichkeit der 'Retterrolle', aber ich entschied mich so, dass ich nicht diesem Weg folge, denn es wirkte wieder nicht. Also anstatt dieses 'Katze-Maus-Spiel' ohne ein klares Thema fortzusetzen, kehrte ich eher zum figuralen Element des Prozesses zurück, und zwar zu ihrer Hose. Die Tatsache, dass ihre Hose für sie keine besondere Bedeutung hatte, bedeutete, dass wir darin etwas finden konnten, dass sich aus der Umgebung hervorhebt, trotz Nancys Widerstand, Figuren zu benennen. ???
Sie bennante sofort ganz klar drei wichtige Teile von sich.
Ich erkundete diese Teile in Beziehung damit, dass ich auf jeden einzelnen Teil etwas reagierte.
Ihr Widerstand gegen den dritten Teil tauchte auf, was bezeichnete, dass die Arbeit geschafft wurde: das Problem von 'sollen' und die Quelle von diesem wurde gefunden und gelöst.
Nachdem wir das gemacht hatten, war sie imstande, diesen Teil von sich in die Beziehung mit mir und mit sich selbst hineinzubringen.
Das Ergebnis des Therapieprozesses war eben das, was wir in einem Gestalt-prozess suchen: die Integration.















Samstag, 18. Juli 2015

Case #27 - Moralische Rechtschaffenheit

John führte eine Firma. Sein Problem war, dass er ein moralisch sehr korrekter Mann war. In einem Marktplatz, wo 'alles erlaubt' ist, hatte er starke Grundsätze, und er hielt sich an sie. Er benahm sich mit seiner Familie gleicherweise – er nahm ihre Aufgaben ernst, ehrte seine Eltern und folgte den Traditionen.
Er fühlte sich zwar schwer und belastet und stellte in Frage, ob seine moralische Rechtschaffenheit wirklich eine gute Sache war. Oder war es ganz im Gegenteil: sein Geschäft kann am Ende durchfallen, weil er nicht imstande war, jene unredlichen Kunststücke anzustellen, die seine Konkurrenten verwendeten (wie z.B. industrielle Spionage).
Ich versuchte zuerst, die Stärke seiner Art von Existieren in der Welt zu erkennen, es bewegte ihn aber nicht so sehr. Er machte sich sorgen, dass es in der realen Welt ihm nicht dienen wird, aber gleichzeitig wollte er mit seinen strengen moralischen Rahmen bleiben.
Ich bat ihn also, zwei Polaritäten zu benennen – einen historischen Charakter, der den moralisch korrekten Mensch repräsentierte und noch jemand, der den 'alles erlaubt'-Charakter verkörperte.
Er wählte die zwei Charakteren und ich forderte ihn an, sich in beide Rollen nacheinander hineinzuversetzen und einen Dialog zwischen ihnen vorzuspielen. Er fand das besonders schwierig und wollte immer wieder aus seiner Rolle heraustreten.
Er fragte: „Was wäre, wenn ich einfach die zwei Charakteren vereinigen würde?" Die Integration kommt aber nicht so einfach…
Wenn er in der moralisch korrekten Rolle war, er sagte, dass er der tiefen und langen Tradition folgte, nämlich ein Chinese zu sein. Die andere Rolle derweil gefährdete diese Werte.
Es war also klar – die Stufe der Wichtigkeit für ihn, die Traditionen zu ehren, was eine grundlegende Ethik der chinesischen Kultur war.
Ich empfahl ihm, aus beiden Rollen herauszutreten, in seinen Sitz zurückzulehnen und zu jeder Seite zu sprechen. John anerkannte die Tradition und dann bekannte er auch, dass er manchmal etwas nützliches auch von der anderen Seite lernen könnte.
Das war ein riesengroßer Schritt für ihn.
Ich schlug ihm vor, sich kurz in die Rolle eines Kaisers zu versetzen, der zwei Berater (statt nur einen) hat, und dass es letztendlich seine Entscheidung war.
Als er das hörte, fühlte er sich sofort viel besser, und konnte den Wert des 'neuen' Beraters erkennen.
John erwähnte, dass diese Sache auch in seinem Privatleben eine Dimension hatte. Er nahm Dinge zu ernst und fühlte so, dass er niemals eine Pause machen kann.
Wir identifizierten also zwei weiteren Berater; der eine erinnerte ihn auf seine Verantwortungen, der andere war eher ungezwungen, unverantwortlich und Spaß-orientiert.
Er fühlte jetzt wieder erleichtert mit den zwei Beratern, und wusste, dass er fähig ist, die letzte Entscheidung zu treffen. Ich wollte, dass er eine reale Person benennt, der sich der Spaß-orientierte Rolle eignet. Er erwähnte seinen Cousin. Früher betrachtete er ihn negativ, konnte aber ihn jetzt anerkennend ansehen, und könnte in Erwägung ziehen, eine gewisse Zeit mit ihm zu verbringen.
Wir verwendeten die Gestalt-orientation in die Richtung der Polaritäten, das erkannt, das jede einzelne Qualität ein gegensätzliches Paar innehat. Die Überidentifizierung mit der einen Seite verursacht einen Bruch. Der Gestalt-Prozess orientiert sich an die Integration, die in einem realen Prozess vorgehen muss, wobei der Beteiligte mit beiden Seiten den Kontakt hält, und den Prozess nicht bloß nur intellektuell verstehen will.  
John war nicht geeignet für die gewohnte Form des Experiments (direkter Dialog). Wir müssen deswegen stetig flexibel sein, die Übung vor Ort umgestalten zu können, damit wir uns und die Übung nach der Neigung und Rückmeldung des Klienten richten.  



















Donnerstag, 9. Juli 2015

Case #26 - Geben und bekommen

Tracy reiste gerne, aber alleine. Sie mochte eine unabhängige Frau zu sein. Sie ging nach Hause alle paar Wochen für ein paar Tage und das entsprach ihr. Sie hatte ihre eigene Wohnung in der Stadt. Sie sagte es passte zu ihrem Mann, weil sie hohes Niveau hatte, und es würde unweigerlich zu Auseinandersetzungen führen.
Sie fühlte, dass ihr Leben ihr eigenes war, und jetzt, als ihr Sohn schon völlig erwachsen war, war sie nicht mehr von den Familienpflichten belästigt. Sie genoss ihren Lebensstyl und Job.
Ihre Besorgnis war jedoch, dass sie innerhalb kurzer Zeit eine Art Panikgefühl bekam, wenn sie zu Hause war.
Ich wollte das Problem tiefer untersuchen und fragte sie über ihre Eltern. Sie wuchs mit einer gewissen Menge Freiheit auf – ihre Mutter war beschäftigt mit den vielen Kindern, ihr Vater gab ihr bestimmte Privilege und behandelte sie „ein bißchen als ein Junge", obwohl er zu ihr gleichzeitig liebevoll stand. Immerhin, als sie Aufmerksamkeit bekam, kam das sehr oft in der Form von Leistungsdruck oder als der Druck, ein gutes Kind zu sein. Der Knackpunkt des Problems war eben das: entweder-oder. Entweder bekam sie Aufmerksamkeit oder sie hatte Freiheit, es gab aber keinen Mittelweg.
Als nächstes schlug ich ein Experiment vor, um zu entdecken, wie das alles in der Beziehung mit ihrem Mann zum Vorschein kam.
Abgestoßene Hände repräsentierten die Freiheit.
Sie wurde gleich nervös. Sie sagte, dass sie nicht in der Aufmerksamkeits-wollend Position sein wollte. Es war zu viel Druck für sie und sie spürte Panik.
Ich fragte sie, wie oft sie aus eigenem Antrieb fühlte, dass sie mit ihrem Mann in dieser Position sein wollte. Sie verriet mir, dass sie noch mehr Freiheit wollte, als was sie schon hatte. Ich fragte wie viel genau, ohne Pflichtgefühl. Sie antwortete: zweimal pro Jahr für ein paar Tage daheim, und die übrige Zeit alleine.
In meiner Lesart war es nicht das Modell einer Beziehung, ich war jedoch bereit, zu akzeptieren, dass sie das anders denkt. Also wir gingen von dieser Basis aus. Sie wollte sich in der Aufmerksamkeits-wollend Position nur sehr kurz aufhalten, und danach versetzte sie sich in die Freiheit-wollende Position. Sie sagte, dass sie sich sehr unangenehm fühlte, wenn sie Aufmerksamkeit von ihm wollte.
Ich drehte die Situation um. Ich spielte den Mann und legte meine Hände in die Aufmerksamkeits-wollende Position. Sie fing an, sehr stark wegzustoßen.
Sie setzte sich in Verbindung mit viel Verstimmung. Sie fühlte so, dass wenn sie mit ihm zusammen war, er wollte immer etwas von ihr und sie war stetig in der Position des Gebers, bekam aber nichts zurück. Ihre Wut kam also zum Vorschein, und der Kreisprozess wurde schnell klar. Sie stieß weg, er wurde bedürftig, sie stieß noch mehr weg etc.
Ich empfahl also, eine ergänzende, dritte Handposition zuzugeben: die Position des Gebens. Offensichtlich hatte sie nichts mehr zu geben. Ich nahm allerdings (in der Rolle ihres Mannes) die Geber-Position auf und forderte sie an, in der Aufmerksamkeits-wollend/Annehmer Position zu sein.
Das erbrachte ihrerseits viel Beschwerde. Sie fühlte so, dass sie von ihm nie wirklich annehmen konnte, und dass zu viele Jahre vergingen damit, dass sie ohne Ende nur gab und gab.
Gleichwohl bat ich sie, in die Gegenwart zu kommen, und sich selbst die Erfahrung zu erlauben, dass diesmal etwas ihr gegeben wird. Sobals sie ihre Verstimmung geäußert hatte. Sie stimmte zu und war zutiefst durch das Gefühl des Bekommens bewegt. Sie fühlte jedoch bald unangenehm – der Preis des Erhaltens war, dass sie wieder geben sollte, wovor sie Angst hatte.
Ein tieferer Aspekt des Kreisprozesses entdeckten wir bei diesem Punkt.
Ich empfahl zu alternieren. Ich würde zuerst ihr geben, sie nimmt an, und sobald sie sich unbequem fühlt, können wir tauschen. Sie kann dann zurückgeben und in dieser Weise von ihren Schulden freikommen. Ich würde annehmen, aber nur insoweit, bis sie sich noch angenehm fühlr.
Ihr Rhythmus erwies sich ziemlich schnell, nur einige Sekunden in jeder Position. Sie fühlte sich jedoch bequem in der Übung, und sie fühlte, dass wir nicht zu lange in irgendwelcher Position blieben.
Das Erlebnis war für sie zutiefst aufschlussreich und diente als eine Erfahrung, wonach sie sich seit langem sehnte, aber gab völlig auf, sie einmal zu erleben.
Die Bedeutung des Experiments war nicht, das es eine Medizin oder Heilmethode für die Situation war. Es war eher die Entdeckung der Aufmerksamkeit, das eine viel tiefere Selbst- und Kontextwahrnehmung, sowie die Erkennung ihrer Beteiligung im Kreisprozesses ermöglichte. Es diente sogar als eine ganz neue Erfahrung.
Diese Art von Erfahrungen, die aus den Gestalt-Übungen resultieren, sind keine Lösungen, sondern sie erweitern die Welt der Person, und bieten einen neuen Bezugspunkt an, was die Möglichkeiten anbelangt. Sie können außerdem als ein Heilungserlebnis dienen, wenn etwas aus der Umgebung nicht erreichbar war.
Der Prozess fing mit der Entdeckung des Kontextfeldes an. Sobald es klar war, bewegten wir uns in ein Hier und Jetzt-Experiment. Um das zu machen, sie sollte fühlen, dass es nicht durch irgendeine „sollen" organisiert wurde, sondern dass sie in ihrem eigenen Rhythmus bleiben durfte. Mich als ein Teilnehmer nutzen, bedeutete, dass ich mich auf ihre Position und ihr Bedürfnis einstimmen konnte und gleichzeitig einen unmittelbaren, empirischen Einblick in ihr System bekam.
Das bedeutete auch, dass ich in neuen Formen reagieren konnte. Ich modifizierte die Übung, damit sie auch die Geste des 'Gebens' enthält, es war nämlich ganz offenbar das fehlende, jedoch das bedeutendste Element. Das ermöglichte ihr, das Gefühl des Bekommens zu erfahren, ohne dass sie dafür einen hohen Preis hätte zahlen müssen.


















Montag, 22. Juni 2015

Case #26 - Geben und bekommen

Tracy reiste gerne, aber alleine. Sie mochte eine unabhängige Frau zu sein. Sie ging nach Hause alle paar Wochen für ein paar Tage und das entsprach ihr. Sie hatte ihre eigene Wohnung in der Stadt. Sie sagte es passte zu ihrem Mann, weil sie hohes Niveau hatte, und es würde unweigerlich zu Auseinandersetzungen führen.
Sie fühlte, dass ihr Leben ihr eigenes war, und jetzt, als ihr Sohn schon völlig erwachsen war, war sie nicht mehr von den Familienpflichten belästigt. Sie genoss ihren Lebensstyl und Job.
Ihre Besorgnis war jedoch, dass sie innerhalb kurzer Zeit eine Art Panikgefühl bekam, wenn sie zu Hause war.
Ich wollte das Problem tiefer untersuchen und fragte sie über ihre Eltern. Sie wuchs mit einer gewissen Menge Freiheit auf – ihre Mutter war beschäftigt mit den vielen Kindern, ihr Vater gab ihr bestimmte Privilege und behandelte sie „ein bißchen als ein Junge", obwohl er zu ihr gleichzeitig liebevoll stand. Immerhin, als sie Aufmerksamkeit bekam, kam das sehr oft in der Form von Leistungsdruck oder als der Druck, ein gutes Kind zu sein. Der Knackpunkt des Problems war eben das: entweder-oder. Entweder bekam sie Aufmerksamkeit oder sie hatte Freiheit, es gab aber keinen Mittelweg.
Als nächstes schlug ich ein Experiment vor, um zu entdecken, wie das alles in der Beziehung mit ihrem Mann zum Vorschein kam.
Abgestoßene Hände repräsentierten die Freiheit.
Sie wurde gleich nervös. Sie sagte, dass sie nicht in der Aufmerksamkeits-wollend Position sein wollte. Es war zu viel Druck für sie und sie spürte Panik.
Ich fragte sie, wie oft sie aus eigenem Antrieb fühlte, dass sie mit ihrem Mann in dieser Position sein wollte. Sie verriet mir, dass sie noch mehr Freiheit wollte, als was sie schon hatte. Ich fragte wie viel genau, ohne Pflichtgefühl. Sie antwortete: zweimal pro Jahr für ein paar Tage daheim, und die übrige Zeit alleine.
In meiner Lesart war es nicht das Modell einer Beziehung, ich war jedoch bereit, zu akzeptieren, dass sie das anders denkt. Also wir gingen von dieser Basis aus. Sie wollte sich in der Aufmerksamkeits-wollend Position nur sehr kurz aufhalten, und danach versetzte sie sich in die Freiheit-wollende Position. Sie sagte, dass sie sich sehr unangenehm fühlte, wenn sie Aufmerksamkeit von ihm wollte.
Ich drehte die Situation um. Ich spielte den Mann und legte meine Hände in die Aufmerksamkeits-wollende Position. Sie fing an, sehr stark wegzustoßen.
Sie setzte sich in Verbindung mit viel Verstimmung. Sie fühlte so, dass wenn sie mit ihm zusammen war, er wollte immer etwas von ihr und sie war stetig in der Position des Gebers, bekam aber nichts zurück. Ihre Wut kam also zum Vorschein, und der Kreisprozess wurde schnell klar. Sie stieß weg, er wurde bedürftig, sie stieß noch mehr weg etc.
Ich empfahl also, eine ergänzende, dritte Handposition zuzugeben: die Position des Gebens. Offensichtlich hatte sie nichts mehr zu geben. Ich nahm allerdings (in der Rolle ihres Mannes) die Geber-Position auf und forderte sie an, in der Aufmerksamkeits-wollend/Annehmer Position zu sein.
Das erbrachte ihrerseits viel Beschwerde. Sie fühlte so, dass sie von ihm nie wirklich annehmen konnte, und dass zu viele Jahre vergingen damit, dass sie ohne Ende nur gab und gab.
Gleichwohl bat ich sie, in die Gegenwart zu kommen, und sich selbst die Erfahrung zu erlauben, dass diesmal etwas ihr gegeben wird. Sobals sie ihre Verstimmung geäußert hatte. Sie stimmte zu und war zutiefst durch das Gefühl des Bekommens bewegt. Sie fühlte jedoch bald unangenehm – der Preis des Erhaltens war, dass sie wieder geben sollte, wovor sie Angst hatte.
Ein tieferer Aspekt des Kreisprozesses entdeckten wir bei diesem Punkt.
Ich empfahl zu alternieren. Ich würde zuerst ihr geben, sie nimmt an, und sobald sie sich unbequem fühlt, können wir tauschen. Sie kann dann zurückgeben und in dieser Weise von ihren Schulden freikommen. Ich würde annehmen, aber nur insoweit, bis sie sich noch angenehm fühlr.
Ihr Rhythmus erwies sich ziemlich schnell, nur einige Sekunden in jeder Position. Sie fühlte sich jedoch bequem in der Übung, und sie fühlte, dass wir nicht zu lange in irgendwelcher Position blieben.
Das Erlebnis war für sie zutiefst aufschlussreich und diente als eine Erfahrung, wonach sie sich seit langem sehnte, aber gab völlig auf, sie einmal zu erleben.
Die Bedeutung des Experiments war nicht, das es eine Medizin oder Heilmethode für die Situation war. Es war eher die Entdeckung der Aufmerksamkeit, das eine viel tiefere Selbst- und Kontextwahrnehmung, sowie die Erkennung ihrer Beteiligung im Kreisprozesses ermöglichte. Es diente sogar als eine ganz neue Erfahrung.
Diese Art von Erfahrungen, die aus den Gestalt-Übungen resultieren, sind keine Lösungen, sondern sie erweitern die Welt der Person, und bieten einen neuen Bezugspunkt an, was die Möglichkeiten anbelangt. Sie können außerdem als ein Heilungserlebnis dienen, wenn etwas aus der Umgebung nicht erreichbar war.
Der Prozess fing mit der Entdeckung des Kontextfeldes an. Sobald es klar war, bewegten wir uns in ein Hier und Jetzt-Experiment. Um das zu machen, sie sollte fühlen, dass es nicht durch irgendeine „sollen" organisiert wurde, sondern dass sie in ihrem eigenen Rhythmus bleiben durfte. Mich als ein Teilnehmer nutzen, bedeutete, dass ich mich auf ihre Position und ihr Bedürfnis einstimmen konnte und gleichzeitig einen unmittelbaren, empirischen Einblick in ihr System bekam.
Das bedeutete auch, dass ich in neuen Formen reagieren konnte. Ich modifizierte die Übung, damit sie auch die Geste des 'Gebens' enthält, es war nämlich ganz offenbar das fehlende, jedoch das bedeutendste Element. Das ermöglichte ihr, das Gefühl des Bekommens zu erfahren, ohne dass sie dafür einen hohen Preis hätte zahlen müssen.


















Montag, 15. Juni 2015

Case #25 - 10,000 Pfeile

Mary war zweimal geschieden und lebte jetzt wieder mit ihrem ehemaligen Mann, dem Vater ihres Sohnes, zusammen.
Ich erkundigte mich nach der Geschichte.
Sie führten gemeinsam ein Unternehmen, waren aber nicht einig über den Ansatz. Im Laufe der Zeit wurde er immer gewaltsamer mit ihr. Jahrelang veränderte sich nichts.
Dann verlangte er von ihr die Scheidung und späterhin regte eine Beziehung mit einem Angestellten an, der im Geschäft arbeitete.
Nachdem er von der Frau abgelehnt worden war, bat er Mary, wieder zu heiraten. Sie stimmte zu und er setzte dann mit dem Prügel fort.
Schließlich, nach weiteren Jahren, zog sie der Gewalt eine Grenze und schied sich von ihm.
Nach einigen Jahren versuchten sie wieder zusammenzuleben, dieses Mal ohne Gewalt. Sie verriet mir, dass ihre Beziehung jetzt befriedigend ist, oder anders gesagt sie ist zumindest nicht unglücklich damit.
Während sie es mir erzählt hatte, kam natürlich viel Schmerz auf.
Ich fragte sie, wie sie es überleben konnte; sie erinnerte sich daran, was alles (nicht Gewalt) ihre eigene Mutter und Großmutter überleben musste.  
Ich fragte sie, was sie fühlte. Ihre Antwort darauf war: „Es fühlt sich, wie 10,000 Pfeile in meinem Herzen."
Ich anerkannte, dass sie den Schmerz drinnen halten konnte, anstatt ihn auf anderen auszustrahlen. Ich äußerte jedoch meine Sorge darüber, welche Wirkung das auf sie hatte.
Ich fragte sie, wie es war, zu mir, einem Mann zu sprechen – sie sagte, sie fühlte sich sicher.
Ich erinnerte sie, dass jene Pfeile eben einem Mann zu verdanken waren. Also als ein Mann selbst, wollte ich ihr helfen, sie zu entfernen.
Ich machte einen Vorschlag: ich greife hinüber und sehr langsam, bei jeder Stufe mit ihrer vollkommenen Zustimmung ziehe ich einen Pfeil aus.
Ich machte das und legte die Pfeilen auf den Boden und anerkannte, wie sehr sie verletzt worden war.
Ich prüfte, wie Mary sich fühlte: sie berichtete über schmerzhafte Gefühle, jedoch fühlte sie sich tief berührt und teilweise erleichtert.
Ich wiederholte also den Prozess noch zweimal, und jedes Mal anerkannte ich einen unterschiedlichen Aspekt ihres Erlebnisses.
Sie fühlte einerseits etwas Auflockerung, aber auch etwas Steife in ihren Händen. Es war ein Indiz dafür, dass wir schon genug schafften.
Schließlich schlug ich vor, ein Rituale mit den drei Pfeilen zu machen. Aus den von mir angebotenen Optionen wählte sie das Rituale der Beerdigung.
Ich erzählte ihr also eine imaginäre Geschichte über eine Reise, auf die wir gemeinsam gingen. Wir gingen in einen Wald hinein, begrabten die Pfeilen, offenbarten unseren Dank und ließen sie in dem Erdboden.
Am Ende erfuhr Mary eine Art Leichheit und dass sie in dieser Position wirklich gesehen und angehört wurde.
Ich gab ihr die Hausaufgabe, dass sie diesen Prozess, den wir gemeinsam geübt hatten, einmal pro Tag wiederholt. Sie soltte das Rituale der Beerdigung von drei weiteren Pfeilen in ihrem Kopf vorspielen.
In diesem Prozess klärte ich zuerst ihr Feld auf, damit ich den Kontext ausreichend verstehen konnte. Dann verwendete ich die Tatsache, dass ich auch ein Mann war, als ein Teil des Heilungsprozesses. Ich vorginge langsam, prüfte Mary's Gefühle bei jedem Schritt, und gewährte zahlreiche Alternativen.
Ich arbeitete mit der von ihr erwähnten Metapher der Pfeilen. Ich nahm es sehr ernst und initiierte den Heilungsprozess. Das bedeutender Faktor war weder die Anzahl der entfernten Pfeilen, noch die Eliminierung des ständig anwesenden Schmerzens, sondern die Tatsache, dass wir etwas begannen, was einen Unterschied machte und dass sie es jetzt schon allein behandeln konnte.
Die Gestalt-Übung wurde unmittelbar aus den von ihr aufgeführten Wörtern und Materialien entworfen. Sie funktionierte in erster Linie darum, weil unsere Beziehung begründet wurde.















Mittwoch, 10. Juni 2015

Case #24 - Der verlassene Säugling

Am Anfang der Therapiesitzung verbrachte ich einige Zeit damit, dass ich mit Jane irgendwelchen Kontakt ausbauen versuchte. Ich bemerkte den gelben/goldenen Top, den sie trug. Sie sagte, dass sie die Feuerfarben sehr mochte. Sie strahlten Wärme und das half ihr, ihre Traurigkeit zu behandeln. Jane erklärte, wie gerne sie mit engagierten und vernünftigen Menschen zusammen war. Falls sie diese Eigenschaften nicht beherrschten, interessierte sie sich für sie nicht.
Ich fragte sie, womit sie in der Sitzung arbeiten wollte - die von ihr erwähnten Themen waren: Beruf, Vater und Freund. Ich bat sie, nur eins auszuwählen. Sie wählte den Beruf.
Was immer die Person wählt, ist völlig in Ordnung und hat vermutlich viel zu tun mit dem tatsächlichen Problem.
Ich fragte sie, was genau ihr Problem war. Sie verriet mir, dass sie egoistisch war und erlangte immer was sie wollte, ohne Rücksicht auf anderen.  
Ich erkannte die positiven Aspekte dieser Eigenschaften im Berufsleben und konnte auch verstehen, wie es anderen auf die Nerven gehen konnte.
Danach offenbarte Jane, wie sehr sie sich nach Anerkennung sehnte, und dass sie eigentlich adoptiert wurde.
Ihre eigenen Eltern verließen sie unter einer Brücke.
Diese Äußerung veränderte die Dinge für mich erheblich. So einen wichtigen und schwierigen Milenstein mit mir zu teilen bedeutet, dass sie mir mit etwas sehr persönliches und wesentliches anvertraut. Es war für mich nicht bloß eine nützliche und relevante Information über sie und eine Art Erklärung für ihren Egoismus. Ich nahm es viel ernster, als ein aus der Tiefe kommende Hilfeschrei nach der Anerkennung, die Jane so ersehnte.
Ich begriff auch ihren Bedarf an Wärme.
Ich fragte sie, was sie fühlte, sie konnte aber überhaupt nichts identifizieren. Außer ihrer Beine war sie kalt wegen der Klimaanlage.
Ich fragte sie also darüber, wie die Kälte in den Beziehungen erscheint und betonte zugleich, dass diese Kälte als eine gegenüberstehende Polarität zur Wärme angesehen werden konnte, was sie in ihren Beziehungen suchte.
Ich wollte allerdings keine Zeit mit der Besprechung dieses Themas verbringen. Ich fragte Jane, wie lange sie unter der Brücke gelassen war. Sie wusste es nicht, ich bat sie also es zu schätzen. Sie meinte, es konnte etwa ein Tag sein – sicherlich genug Zeit, kalt zu werden.
Nachdem wir die Erinnerung des traumatischen Geschehnisses ermittelt hatten, wollte ich sie versichern, darüber, dass damals etwas anderes passiert war. Ich fragte sie, ob ich zu ihr hingehen darf und sie könnte dann ihren Kopf auf meine Schulter legen.
Sie erwiderte mit „Ja". Es war, was sie seit langem ersehnte.
Wir machten das und ich erforderte sie, so viel Wärme wie möglich einzuatmen. Es dauerte eine Weile; sie konnte das lange nicht tun. Langsam schaffte sie jedoch; ihre Atmung wurde schneller, fast wie ein Babys. Schließlich verlangsamte und beruhigte sie sich. Ich erkundigte mich, was sie fühlte: Wärme im Körper, aber ihre Beine waren immer noch kalt. Ich deckte ihre Beine mit einem Tuch ab und wir setzten fort. Sie berichtete über Geräusche, die aus ihrem Bauch kamen. Ich fragte sie über ihre Erfahrungen damit. Sie wollte abnehmen und folgte einer sehr strengen Diät.
Offensichtlich bedeutete das eine gewisse Hunger nach emotionaler Wärme. Ich bat sie also, ihre eine Hand auf ihr Bauch zu legen – ich tat gleicherweise -, und die Wäme einzuatmen.
Wir machten das ein bißchen länger, und ich zog mich dann zurück.
Sie erzählte, dass sie früher viele Workshops besuchte, bekam aber dieserlei Antwort auf ihre Probleme niemals.
Der Gestalt-Prozess wurde einerseits durch den Fokus auf das 'Hier und Jetzt' und die aktuelle Beziehung, andererseits durch den Feldkontext und den Mangel geführt.
Alles, worüber sie erzählte, stimmte überein: ihr Bedarf nach Anerkennung, ihre Sehnsucht nach Wärme, ihr Hunger und ihre Überernährung, sowie ihr Eigeninteresse des Überlebens.
Ich versorgte sie mit Anerkennung auf einer tiefsten, zumeist nonverbalen Ebene, mit Hilfe der Berührung.
In der Therapie kann die begleitende Arbeit nützlich sein, die erheblichsten Veränderungen kommen aber eher in der Beziehung zum Vorschein. Die Einstimmung auf die relationale Bedarfe des Patienten ist grundlegend. Falls diese Bedürfnisse auf irgendwelcher Weise befriedigt werden können, dann kann das in einem massiven und erschütternden Effekt resultieren.
















Freitag, 5. Juni 2015

Case #23 - Der Alkoholiker-Vater

Mary hat Probleme mit ihrem Vater.
Zuerst verbringe ich einige Zeit damit, dass ich mit ihr den Kontakt ausbaue. Ich verrate ihr meine ersten Eindrücke über sie: sie ist engagiert und aufgeschlossen. Dann erzähle ich ihr über meine Reaktion auf ihr Verhalten: ich spüre Wärme.
Ich erkundige mich bei ihr auch nach ihrem Eindruck über mich. Sie fühlt sich entspannt und denkt, dass ich eine freundliche Person bin.
Ich interessiere mich für die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen mir und ihrem Vater.
Die Unterschiede: er kritisiert, wie viel Geld sie ausgibt; manchmal trinkt er zu viel und sie macht sich Sorgen, und das sagt ihm.
Die Ähnlichkeiten: er unterstützt und ermutigt sie.
Sie sagt, dass ihre Mutter ihr vertraut und beschwert sich bei ihr über ihren Vater.
Ich bitte Mary, Gefühle in ihrem Körper zu identifizieren: Steckenbleiben in ihrem Brustkorb, Spannung in dem Rücken und Hals, etwas Druck in dem Magen. Wir verbringen eine Weile Zeit, bis sie in diese Stellen einatmet.
Dann versetze ich mich in die Rolle ihres Vaters hinein und versuche, mir vorzustellen, was er sagen würde.
Ich spiele also ihren Vater und sage Mary folgendes:
„Ich will, dass du zurücktrittst; die Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffe, sind meine Entscheidungen; du musst in deinem eigenen Leben weitergehen."
„Ich will, dass du verstehst, dass deine Mutter und ich unsere Probleme auf unsere Art und Weise lösen werden. Ich bitte dich also, dich in unsere Beziehung nicht einzumischen."
„Falls deine Mutter bei dir über mich beklagt, will ich, dass du dich zurückziehst und ihr ganz klar sagst, dass du darüber nicht hören willst."
Nach jeder einzelnen Behauptung fragte ich Mary, wie sie sich fühlte; sie war erleichtert.
Am Schluss bat ich sie, dass sie die Gefühle von Freilassung und Erleichterung tief einatmet.
Sie wollte ein anderes Problem im Zusammenhang mit ihrem Vater aufführen, ich bat sie aber, an diesem Punkt haltzumachen und eine gewisse Zeit mit dem Gefühl der Erleichterung zu verbringen.
-
In diesem Prozess fing ich unmittelbar mit der Beziehungsbasis an, da ich wusste, dass ihr Problem ihren Vater betraf. Ich wollte auch die Situationen entdecken, in denen ich in einer ähnlichen oder gleichen Position war. Dieses Verfahren ermöglichte mir, ihre Probleme zu erkennen und herauszufinden, ob ich diese Probleme schon erfahren hatte.
Die Unterschiede und Ähnlichkeiten helfen bei der Bestimmung unserer Beziehung und trennen sie von mir, aber schaffen gleichzeitig einen Verknüpfungspunkt und ermöglichen, eine gewisse Gegenseitigkeit zwischen uns zu gründen.
Ganz offensichtlich spielt Mary in diesem Familiensystem die Erwachsene, was ich ungesund finde.
Durch die Visualisierung der Position ihres Vaters war ich imstande, ihr darüber Bescheid zu sagen, das auf sie wahrscheinlich eine Auswirkung machen konnte. Es ähnelt sich der Familienaufstellung.
Offenbar gibt es Probleme mit dem Alkohol, wir können aber alle Schwierigkeiten auf einmal nicht bekämpfen/überwinden. Die eindeutigste Sache ist, dass sie ihren Vater nicht mehr  zu retten versucht. Damit, dass sie von „ihm selbst" die Botschaft von existenzieller Verantwortung hörte, war Mary imstande, sich zurückzuziehen und sich auf ihre eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren.
Ihre Erleichterung weiste darauf hin, das wir auf dem richtigen Weg waren. Die anfängliche somatische Prüfung sorgte dafür, dass ich eine Grundlinie hatte und die Veränderungen verfolgen konnte.














Dienstag, 26. Mai 2015

Case #22 - Wolf an der Tür

Matt war ein erfolgreicher Unternehmer. Als Erwachsene verbrachte er viel Zeit mit dem Kennenlernen seiner eigenen Person. Er nahm an verschiedenen Kursen teil, las Selbsthilfebücher und baute seine positive Eigendynamik aus.
Unlängst schied er von seiner Frau und mit einer neuen Beziehung nahm sein Leben eine neue Wendung. Seine vorherige Frau war sehr kritisch, insbesondere was sein finanzielles und Berufsleben anbelangt. Obwohl Matt erfolgreich war und ein sozial bewusstes Geschäft hatte, war er trotzdem nicht wohlhabend. Sie greifte ihn wegen seines mangelnden finanziellen Erfolgs ständig an.
Er besuchte mich, nachdem er an seinem Arbeitsplatz einen Panikanfall bekommen hatte. Er war gelähmt für den Rest des Tages.
Der Auslöser dafür war ein Gespräch mit seiner Ex-Frau am Morgen. Sie forderte, dass er seine morgendliche Aufgaben und Pläne unterbricht, zu ihr fährt und ihren Sohn abholt, weil sie ihr Auto in die Werkstatt bringen musste. Wie gewohnt, war sie in der Kommunikation rau, vorwurfsvoll und kritisch.
In der vergangenen Zeit passierten jedoch andere Dinge auch. Er verlor einen großen Vertrag, den er sehr erwartete; zahlreiche Großkunden verspäteten sich mit der Bezahlung; er machte viele positiven Dinge, wie z.B. er schrieb ein Buch, um seine Karriere zu bauen, aber keiner von ihnen wurde sofort gezahlt; ein früherer Joint-Venture-Partner verklagte ihn; und schließlich als er nachschaute, war auf seinem Konto bloß Einhundert Dollar.
Ich fragte ihn, wie er sich fühlte, nachdem er mir all dies erzählt hatte. Er antwortete immer wieder mit seinen Gedanken über seine Lebensereignisse und dem Wiedererzählen verschiedener Geschichten…ich unterbrach ihn aber, und forderte ihn auf, über seine körperlichen Erlebnisse zu berichten.
Er sagte, dass er früher während der Panikattacke seinen Körper so empfindete, als er in einer Zwangsjacke gewesen wäre. Jetzt fühlte er sich verwundbar, erschrocken, besonders in seinem Brustkorb.
Ich bat ihn, sich auf diese Gefühle zu konzentrieren…er spürte etwas Wärme und teilweise Angst auch. Er sagte, es war so, als ein fremder Eindringling.
Er gab dann die Analogie, die auch sein Vater ihm gab: der Wolf an der Tür.
Wenn er sich selbsticher fühlte, konnte er die Herausforderungen bewältigen. Aber gerade jetzt, als seine Selbstsicherheit ihn verlasste, konnte der Wolf ihn leicht erwischen.
Es schien mir so, dass dieser Wolf nicht einfach an der Tür, sondern über ihm stand.
Ich ermutigte ihn also, sich vorzustellen, dass der Wolf auf ihm liegt. Matt sagte: „Seine Spucke tropft auf mich." Ich erforderte ihn, sich geklemmt zu fühlen, das Hecheln des Wolfs zu hören und zu spüren, als die Spucke des Wolfs auf sein Gesicht tropft. Ich instruierte ihn, tief zu atmen, die Furcht in seinem ganzen Körper zu fühlen, und in der Gegenwart zu bleiben. Ich sagte ihm, dass er eine riesengroße Menge Energie in seinem Körper fühlen wird. Wäre es aber für ihn zu jeder Zeit zu viel, kann er den Prozess stoppen.
Er tat das und sein ganzer Körper zuckte in Krämpfen. Nach einiger Zeit öffnete er seine Augen und berichtete, dass die große Menge Energie, die er in seinem Körper fühlte, überraschte ihn sehr.
Danach forderte ich ihn auf, in die Haut des Wolfs zu schlüpfen und sich visualisieren, wie das Tier (er) über Matt steht und seine Spucke auf Matt tropft. Ich bat ihn, zu Matt zu sprechen und ihm einige Botschaften zu geben.
Nach einiger Zeit öffnete er seine Augen. All seine Glühbirnen platzten. Er sagte: „Es ist eigentlich ein weiser Wolf."
Matt erkannte, dass er mit einem Lamm identifiziert wurde, aus welcher Position er schwach, zögerlich und verwundbar war und seine Selbstsicherheit wurde untergraben. Das Wolf war sein verleugnetes Selbst, voll mit Kraft. Es konnte ihm helfen, die gegenüberstehenden, fachlichen sowie persönlichen Herausforderungen behandeln zu können.
In diesem Prozess verwendete ich die Identifikation und begann mit den Hinweisen, die aus dem körperlichen Erlebnis resultierten. Ich folgte der 'Besatzung'-Assoziation, die deutlich mehr als eine spürbare Bedrohung war. Er war gelähmt durch die Furcht – eine sofortige Reaktion auf die Gefahr.
In der Gestalt-Weise erfahren wir die Gefahr soz. hautnah, aber mit ausreichender Unterstützung. Dann verlegen wir uns in die andere, gegenüberstehende Position: wir werden die gefährliche Figur sein. Dieses Verfahren führt zur Heilung der Spaltung.


Sonntag, 17. Mai 2015

Case #13 - Ein Traum über Blut

Liz hatte einen zurückkehrenden Traum. Ich bat sie, ihn zu erzählen, und zwar im Gestalt-Stil, also in der Gegenwart. Diese Methode hilft uns, die Patienten mit ihren Träumen in das Hier und Jetzt zu bringen.
Hier steht, wie sie den Traum erzählte:
Ich bin in einem Zug, neben meiner Mutter. Vorne sind zwei Jungen in schwarzen Uniformen und verspotten mich. Meine Mutter wird nervös und sie gehen weg. Jetzt pinkelt der eine Junge neben mir im Zug, und viel warmes Blut strömt aus seinen Därmen aus. Das Boden des Zuges ist mit rotem Blut überschwommen. Ich habe Furcht. Er steht bloß da und das Blut strömt aus ihm aus. Dann all dies passiert mit dem anderen Körper auch.
Als wir auf dem Bahnhof ankommen, bemerke ich eine Ärztin mit ihrer medizinischen Ausrüstung. Ich bin so erleichtert, dass sia da ist.
--
Ich frage sie, was sie fühlt, damit ich an si auf einer tieferen und derzeitigen Ebene anknüpfen kann
…erschrocken, als sie im Sterben liegen würde, ganz allein.
Als sie in der Rolle des Jungen spricht, sagt sie das: „Ich verliere meine Energie, falle auf dem Boden zusammen. Ich kann keinerlei Lebenskraft oder Wärme in meinem Körper halten."
Ich bitte sie, in ihren Körper zu kommen – das verbindet das Erlebnis ihres Traumes mit ihren gegenwärtigen körperlichen Gefühlen. Es hilft sie näher zu ihrem wahren Selbst.
…sie spürt einen leeren Eimer in ihrem Brustkorb. Ich frage sie, wie viel Wärme sie jetzt in ihrem Körper spürt. Sie antwortet darauf: 30 Prozent.
Ich gebe Liz eine Rückmeldung, damit ich ihr körperliches Erlebnis in Beziehung bringen kann.
Mein Eindruck über sie ist, dass sie eine sehr warme Person ist – ich würde ca. 70 Prozent sagen.
Ich frage sie über diesen Mangel – und gebe ihr ein Experiment – sie kann die Wärme auf- und unterdrehen.
Das macht uns möglich, sie Arbeit mit der dringendsten Angelegenheit, der Wärme zu beginnen.
Wenn sie das unterdreht, will sie zusammenfallen und fühlt sich sngeschwollen und spürt etwas Kälte in ihren Därmen.
Sia sagt, dass sie häufig Schmerzen wie kleine Nadelstiche in ihrem Dünndarm empfindet. Außerdem übt die Kälte auf sie große Wirkung aus – sie kann im Winter schwer atmen.
Ich bitte sie, in ihren Dünndarm zu kommen.
…sie fühlt sich schwer, aufgedunsen, feucht, unbewegt.
Sie verrät mir, dass sie auf der physischen Ebene Dinge nicht problemlos akzeptieren kann. Sia kann aus der Speise nur schwierig genug Nährstoff aufnehmen. Sie ist dünn und muss deswegen Ergänzungsmittel nehmen. Wenn jemand sie berührt, sie erschrickt. Sie muss sich sehr bemühen, sich entspannen zu können. Sie interessiert sich kaum für Sex. Sie vermisst den physischen Kontakt, aber eher als ein Kind.
Ich bitte sie darum, dass sie jetzt das Blut in dem Traum spielt, damit sie die Wärmen entdecken kann…
…sie sagt: ich bin die Wärme, lebhaft, voll mit Nährstoffe. Der Junge weist mich ab, ich komme aus seinem Körper aus, er braucht mich nicht.
Ich frage sie,  an welchen Stellen sich diese Szene ihrem Leben anpasst. Mit diesem Schritt verbinde ich ihr Traumerlebnis mit ihrem wahren Leben.
…sie erzählt, auf welcher Weise sie das Leben das Leben selbst abweist…es ist zu fiel für sie, manchmal zu viel Übel, sie fühlt sich nicht verstanden und eine innerliche männliche Stimme sagt ihr, dass sie sterben sollte.
Ich frage sie also über ihren Vater…er zog sich von ihr immer weg. Als sie noch ein kleines Kind war, war ihr Vater sehr verschlossen, sprach nie zu ihr, nur sah fern oder schloss sich ein. Sein Gesicht war streng und hart. Sie bedauerte ihn und benahm sich wie ein Junge, mit der Absicht, dass sie in dieser Weise ihrem Vater Freude bringen kann…sie wollte ihn einfach lachen und glücklich sehen.
Wenn sie jetzt als Erwachsene ihren Vater sieht, fühlt sie in ihrem Magen krank. Er scheint ihr so, als ein kleines Kind, das seine Mutter will.
Jetzt ist es schon klar für Liz. Als Kind brauchte sie die Wärme der Eltern, ganz genau die Wärme ihres Vaters, aber in der Tat war es eben sie, die ihn aufwärmen wollte, konnte aber leider nie. Es war eine viel zu schwierige Arbeit für ein Kind, das ihre Lebenskraft völlig wegsaugte. Infolgedessen hat sie jetzt keine genug Ressource von Wärme, die sie verbrauchen kann. Es resultiert darin, dass sie sich stetig erschöpft fühlt, weil sie mehr gibt, als sie von anderen bekommt. Das macht sie großzügig und mütterlich Richtung anderen, aber innerlich fühlt sie nur das Schmerz und die Leere.
Dieser Bruch veranschaulicht ihre Abweisung von Leben und sie ist in einer Zwickmühle, in einer Sackgasse.
Als wir diese Stelle erreichen, suchen wir nicht den Ausweg aus der Sackgasse, sondern wir bringen das Bewusstsein in die Situation hinein. In Gestalt beginnt jede einzelne Veränderung mit dem Bewusstsein und der Bewusstmachung…

Mittwoch, 6. Mai 2015

Case #12 - Ein Traum: Zwillinge, Wasser und Mutter

Träume, Tagträume und Geschichten sind alle ähnlich: sie ermöglichen den Zugang zu der ganzen Person.
Jesse machte eine Geschichte über zwei Zwilling-Jungen. Beide Jungen spielten neben einem Damm. Der Hauptcharakter, nennen wir ihn Tony, hatte Angst vor Wasser. Der andere Zwilling, Jack hatte demgegenüber keine Angst. Er spielte in dem Wasser und zog Tony auf. Er wollte, dass Tony auch ins Wasser reingeht. Tony zögerte sich. Ihre Mutter starb vor einiger Zeit und sie waren von einer Stiefmutter gesorgt. Tony hatte einen Sein in seiner Tasche, ein Andenken über seine Mutter. Jack nahm den Stein aus Tony's Tasche aus und warf ihn ins Wasser. Tony springte nach dem Stein und kam darauf, dass er kein Übel im Wasser hatte. Er vergass den Stein völlig.
Das Problem von Jessie war Folgendes: er hatte Zweifel an der Ehe mit seiner Freundin. Er liebte sie aber zweifelte sich an einer langfristigen Zukunft ihrer Beziehung und konnte keine feste Entscheidung treffen.
Wir untersuchten diesen Traum ein bißchen näher so, dass Jesse sich mit jedem Charakter identifizierte. Als Tony fühlte er sich erschrocken vor dem Wasser, und vor dem Hineinstürzen ins Wasser. In der Rolle von Jack war er spontan, spielerisch und fühlte sich bequem in seinem Körper. Als die verstorbene Mutter war er liebend, jung, und sanft. Als Wasser war er tief.
Sein Muttererlebnis in dieser Übung war wichtig, da seine eigene Mutter kalt und entfernt gewesen war. Und das spielte eine große Rolle in den Schwierigkeiten in seinen Beziehungen mit Frauen. Er hatte Angst vor der Intimität und Kälte, die in der Beziehung erscheinen konnte.
Eins war klar: seine Verbindung zu einem tieferen, wärmeren und weiblichen Teil seines Erlebnisse. Das motivierte ihn und gab ihm Kraft, ins Wasser zu springen. Es war auch klar, dass er die Hilfe seines Zwillingbruders brauchte. Die Hilfe von jemandem, der keine Angst hatte und konnte ihm das Bild über die warme Mutter wegnehmen und in das Wasser werfen.
Ich fragte ihn also, ob wir das vortragen konnten. Ich wäre der Zwillingbruder und würde das Andenken aus seiner Tasche herausnehmen und ins Wasser werfen. Jesse stimmte zu, ich erzählte also, was ich machte: „Jetzt nehme ich das Andenken weg, jetzt werfe ich es ins Wasser." Er stellte sich vor, dass er nach dem Stein ins Wasser springt. Danach fühlte er sich entspannt.
Das war ein tiefgreifendes Erlebnis für ihn. Er fühlte sich ruhig, ausgeglichen, und war imstande, den Kontakt mit einem tieferen Raum in sich aufzunehmen, das nicht so sehr von seiner Besorgheit über die Zukunft seiner Beziehung gestört war. Wie in der Geschichte, nachdem er schon im Wasser war, brauchte er die Erinnerung seiner Mutter nicht mehr.
Es war jedoch klar, dass hier zahlreiche Sachen nötig waren. Zuerst, dass jemand ihm half – er brauchte nämlich den Zwillingbruder, der seine Aufmerksamkeit auf die von ihm ersehnte liebende Mutter lenkte. Dann wollte er natürlich auf diesen Platz geraten. Schließlich konnte er wirklich mit sich selbst sein. Nie mehr fühlte er sich in zwei Teile aufgeteilt: den einen Teil, der eintauchen wollte, aber sich zögerte, und den anderen Teil, der sich ins Leben vorwärts bewegte. Er spürte die beiden Teile sich zueinander zu nähern. Er fühlte den Kontakt mit dem Tiefen, Wärmen und Weiblichen in seinem Herzen und in dieser Weise konnte er ohne Zweifel ins Leben und in die Beziehung eintauchen.


Mittwoch, 29. April 2015

Case #11 - Der Vater, die Mutter und die Freundin

John fiel es schwer, eine stabile Beziehung mit seiner Freundin auszubauen. Er war sich nicht sicher über die Beziehung.
Er hatte einen Traum. Er und seine Freundin machten Liebe. Sein Vater und seine Mutter standen hinter ihm. Sein Vater war ein junger Mann, selbstsicher, stark.
Er war sich unsicher, denn er wollte sie nicht schwängern. Sein Vater kam näher, und er fühlte sich plötzlich erleichtert.
Freudianer könnten damit viel Spaß haben, aber in Gestalt folgen wir anderem Verfahren. In der Gestalt-Psychologie geht es nämlich um die Integration und den Besitz, wir identifizieren also jeden einzelnen Teil des Traumes. Sie ermöglichen den Zugang zu unseren eigenen Polaritäten und den verschiedenen Varianten des Selbst.
Ich bat ihn also, jeden Akteur des Traumes zu spielen.
Als sich selbst, war er zögerlich und zurückhaltend.
Als seine Freundin, wollte er mit seinem ganzen Herzen und war gewichtslos.
Als der Vater war er aufgeschlossen, klar und gesund.
Als Mutter war er irreführend, schattig; jemand, der nicht gesehen werden, sondern sich lieber verbergen will.
Es gab eine Angleichung – der Vater mit der Freundin, beide selbstsicher, stabil, und er mit seiner Mutter, beide unsicher, unstabil, die sich versteckten.
Das alles hatte einen Sinn, seine Mutter war nämlich seit der Kindheit von John sehr kalt gegen ihn.
Wir entdeckten also diese Kälte, und ganz spezifisch, wie er selbst in seiner Beziehung in vielerlei Weise kalt war. Wir untersuchten, wie sich seine Kälte in seinen 'kalten Füßen' mit seiner Freundin offenbarten. Außerdem befassten wir uns auch mit seinem Problem mit dem Engagement in der Beziehung.
Wir deckten die Kälte auf, die er 'emotionale Leere' nannte; seine gefühllose Seite. Er verband das mit seinen Erfahrungen mit Depression und besonders mit Sinnlosigkeit.
Die Bewusstmachung seiner Kälte gab ihm Kraft und verstärkte ihn. Er konnte nämlich erkennen, dass es hier von etwas Grundlegendes handelte, was er in seine Beziehung hineingebracht hatte. Um eine unterschiedliche Erfahrung zu haben, sollte er die Art und Weise herausfinden, wie er sich aufwärmen kann, ohne das von einer äußeren Quelle (von seiner Freundin) zu erwarten.
Diese Methode stützt sich auf die Prinzipien von Bewusstsein, die Gestaltbegriffe der Verantwortung und das anzunehmen, was gegeben ist. Seine Kälte ist nicht etwas, was verändern wird – sie ist engebettet darin, wie er sich in eine Beziehung hineinbringt. Er kann jedoch sein Bewusstsein erhöhen und seine Wahlfähigkeit entwickeln, sowie verstehen, wie sich das in den Beziehungen zeigt.










Freitag, 24. April 2015

Case #10 - Angst, Agression und Genuss

Bridget war eine sehr empfindliche Person. Sie hatte früher sehr schwere Allergien und war physisch empfindlich auf die Umwelt. Sie konnte sogar leicht erschrecken.
Sie verriet mir, wie schwierig für sie war, wenn jemand auf sie wütend war. Sie fühlte sich sehr verwundbar, auch wenn sie mit ihrem Partner nur eine kleine Meinungsverschiedenheit hatte.
Sie sagte: „Mein Körper ist nicht mein Körper. Ich bin taub und fühle meine Grenzen nicht."
Sie konnte also in ihrem Körper nicht existieren, hauptsächlich wenn jemand in ihrer Nähe verärgert war.
Ich fragte sie über ihre eigenen Fehler. Sie verriet mir, dass sie ab und zu hartnäckig oder unempfindlich gegen anderen sein konnte.
Ich erzählte ihr über meine Hartnäckigkeit und Unempfindlichkeit.
Sie sagte, sie konnte ihre Augen sehr eng machen, und mit ihnen von sich die anderen wegstoßen.
Ich bat sie, sich vorzustellen, dass sie mit ihren Augen so tut. Sie sagte: „Meine Augen sind brennend rot; ich könnte mit ihnen jemanden umbringen." Ich ermutigte sie, so zu bleiben und sich vorzustellen, dass sie die Leute mit diesen Augen verbrennt. Sie sprach über eine Vision, in der sie jemandem ins Gesicht schlägt.
Als junge Frau wurde sie sexuell missbraucht und trug viel Wut in sich gegen Männer.
Deswegen empfahl ich Bridget, sich vorzustellen, dass sie den Mann anschlägt, der all dies mit ihr getan hatte.
Sie spürte ihre Kraft und ich ermutigte sie, die anderen Teile ihres Körpers auch zu fühlen. Sie fühlte die Kraft in ihren Muskeln, ihrer Haut und Beinen.
In ihrem eigenen Körper zu sein erlebte sie früher als eine Quälerei. Aber jetzt fühlte sie sich wohl.
Wir unterhielten uns über ihre Sexualität. Seit vielen Jahren war sie sexuell zaghaft, ängstlich, und konnte mit ihrem Partner sexuell leicht erstarren.
Ich bat sie, sich vorzustellen, dass sie mit ihrem Partner sexuell agressiv ist. Die Schaffung dieses Bildes erwies sich für sie eine große Herausforderung.
Wir entdeckten andere Bereiche ihres Lebens, in denen sie ihre Agression erleben konnte, wie z. B. als sie mit ihrem Sohn Baseball spielte.
Sie fühlte sich prächtig.
Diese Sitzung fingen wir mit ihrer Verwundbarkeit an, sowie dass sie aus ihrem Körper erschrocken war. Diese kraftlose Position war vertraut für sie und war eigentlich ein Hauptmerkmal der Erfahrungen ihres Erwachsenenlebens. Das behinderte die Intimität mit ihrem Mann und ihre Fähigkeit, in der Kommunikation robust zu sein.
Diese Position der 'benachteiligt fühlen' stand sich demgegenüber, wenn jemand die anderen beeinflüssen konnte. Selbst wenn es still war, konnten wir mit der Identifizierung ihrer ablehnenden Erfahrung zu ihrer eigenen Wut Zugang finden.
Der somatische Marker, ihre Augen, waren die Schlüssel dafür, dass wir ihre Gefühle im Zusammenhang mit ihrer Wut vertiefen konnten. Die Visualisierung agressives Verhaltens brachte es aus ihr heraus.
Damit wollen wir auf keinen Fall ermuntern, gegen anderen aus Agression zu handeln. Es geht hier vielmehr darüber, dass wir in die andere Position verwechseln können und in dieser Weise kann das in die ganze Person integriert werden.
Der Wechsel war dramatisch. Sie fühlte sich nicht mehr sensibel, kraftlos, ängstlich oder getrennt. Sie drehte nicht nur den Spieß auf ihre Angreifer um, sondern sie konnte auch ihre steigernde Sexualität in Richtung ihres Partner spüren, das übrigens seit langem nicht vorkam.
Die Entdeckung der Möglichkeit der spielerischen Agression, entweder in der Sex oder mit ihrem Sohn, war neu für sie und bat ihr eine ganz unterschiedliche Perspektive an.

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